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Weidestrategien für herausfordernde Standorte

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27.04.2026 | von Dipl.-Ing. Beate Kraml

Im EIP-Projekt Weideinnovationen (Projekt der Europäischen Innovationspartnerschaft) wurden zukunftsorientierte Lösungsansätze für verschiedene Herausforderungen der Weidehaltung untersucht und auf ihre Praxistauglichkeit getestet.

Weide Steilfläche.png © Walter Starz
Der Pflanzenbestand muss an Standort und Nutzungsintensität angepasst werden. © Walter Starz
Die verpflichtende Weidehaltung gemäß EU-Bio-Verordnung stellt viele Bio-Betriebe vor Herausforderungen. Insbesondere Flächen, die bislang nur eingeschränkt genutzt wurden, rücken stärker in den Fokus. Dazu zählen z.B. Steilflächen, Hutweiden, intensiv betretene Bewegungsweiden sowie trockene Acker- und Grünlandstandorte. Im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) wurde das Projekt “Weideinnovationen“ entwickelt, das sich zum Ziel gesetzt hat, praxisnahe Lösungen für diese topografisch herausfordernden Flächen zu erarbeiten. Auf mehreren Bio-Praxisbetrieben in unterschiedlichen Regionen Österreichs wurden über mehrere Jahre Weidesysteme, Pflanzenbestände und Managementstrategien untersucht. Zahlreiche Partner waren am Projekt beteiligt: neben der LK Österreich federführend die HBLFA Raumberg-Gumpenstein und Bio Austria als Projektleiterin.
 
Weide.jpg © Starz
Koppel-/Umtriebsweiden bieten unter trockenen Bedingungen Vorteile gegenüber Stand- oder Kurzrasenweiden. © Starz

Weideführung als Erfolgsfaktor

Ein zentrales, alle Forschungsschwerpunkte verbindendes Ergebnis ist die große Bedeutung der angepassten Weideführung. Unabhängig vom Standort zeigte sich, dass kurze Besatzzeiten, ausreichend lange Ruhephasen und eine standortgerechte Bestoßung wesentlich für den Erhalt von Boden, Pflanzenbestand und Ertrag sind. Besonders bewährt hat sich die Koppel- bzw. Umtriebsweide, die sowohl auf Steilflächen und Hutweiden als auch unter trockenen Bedingungen klare Vorteile gegenüber Stand- oder Kurzrasenweiden bietet.
 
Durch gezielten Umtrieb lassen sich Trittschäden vermindern, Erosion reduzieren und die Regeneration der Grasnarbe fördern. Auf stark geneigten Flächen konnten sogar bestehende Viehsteige teilweise wieder zuwachsen, wenn ausreichend Ruhezeiten eingehalten wurden. 

Vorweide schützt Boden und Pflanzen

Ein weiterer Aspekt ist die Wirkung der Vorweide im zeitigen Frühjahr. Sie stärkt die Bestockung weidetauglicher Gräser, führt zu dichteren Grasnarben und reduziert den Pflegeaufwand im weiteren Jahresverlauf. Gleichzeitig konnten unerwünschte Arten wie Scharfer Hahnenfuß oder Flatterbinse durch frühzeitige Nutzung und gezielte Pflege zurückgedrängt werden. Gerade in trockenen Regionen zeigte sich zudem, dass höher geführte Bestände maßgeblich zur Trockenheitsresistenz beitragen. Sie verbessern die Bodenbeschattung, reduzieren die Verdunstung und fördern eine tiefere Durchwurzelung. Kurz geführte Weidesysteme hingegen begünstigen flache Wurzelsysteme und erhöhen die Trockenstress-Anfälligkeit der Bestände.
 

Pflanzenbestand an Nutzung anpassen

Die botanischen Untersuchungen unterstreichen, dass der Pflanzenbestand konsequent an Standort und Nutzungsintensität angepasst werden muss. Auf Steilflächen und Hutweiden wurden insbesondere rasenbildende, trittverträgliche Arten wie Englisches Raygras, Wiesenrispe, Rotschwingel und Weißklee gefördert.  Diese Arten bilden dichte Grasnarben und tragen wesentlich zur Stabilität der Flächen bei. Auf intensiv betretenen Bewegungsweiden zeigte sich, dass klassische Weidemischungen rasch an ihre Grenzen stoßen. Erfolgreich waren hier speziell zusammengestellte Mischungen mit ausläufertreibenden, regenerationsstarken Gräsern, die entstehende Lücken rasch schließen können. Regelmäßige Nachsaaten und gezielte Pflege sind auf diesen Flächen unverzichtbar. In trockenen Regionen hingegen erwiesen sich horstförmig wachsende, spätreife Arten mit tiefreichendem Wurzelsystem als besonders geeignet. Dazu zählen u.a. Knaulgras, Timothe, Glatthafer sowie trockenheitsangepasste Leguminosen wie Luzerne, Hornklee oder Esparsette.

Kräuter steigern Resilienz und Ertrag

Ein standortübergreifend positives Ergebnis betrifft den Einsatz ausgewählter Kräuter. Zuchtformen von Wegwarte und Spitzwegerich konnten insbesondere in Trockenregionen einen wesentlichen Beitrag leisten. Auf einem Bio-Praxisbetrieb in Niederösterreich führten Kräuterbeimischungen zu einer deutlichen Steigerung des Trockenmasse- und Rohproteinertrags - und das ohne Bewässerung. Gleichzeitig erschließen diese Arten tiefere Bodenschichten und erhöhen damit die Versorgungssicherheit in Trockenphasen.
 

Ackerflächen in die Weide integrieren

Das Projekt zeigt überdies klar, dass Weidehaltung auf Ackerflächen eine praktikable Ergänzung darstellen kann. Sowohl Neuansaaten als auch Untersaaten in Getreide erwiesen sich als funktionsfähig und ertragsstabil. Zwischen Untersaat und Reinsaat konnten keine relevanten Ertragsunterschiede festgestellt werden. Entscheidend für den Erfolg sind eine standortangepasste Saatstrategie, oberflächennahe Ablage der Samen, gute Rückverfestigung des Bodens und eine vorsichtige Erstbeweidung.
 
Weide Mob Grazing .png © Walter Starz
Bei Mob Grazing wird der Pflanzenbestand erst bei hoher Wuchshöhe mit kurzfristig hohem Tierbesatz genutzt. © Walter Starz

Mob Grazing als Sonderstrategie

In sehr trockenen Regionen kann die Weidestrategie Mob Grazing eine Alternative darstellen. Durch kurzfristig hohen Tierbesatz bei hoher Aufwuchshöhe wird ein Teil des Pflanzenbestands niedergetrampelt und verbleibt als Mulch auf der Fläche. Diese Mulchschicht verbessert die Bodenbeschattung und unterstützt die Bodenbiologie. Gleichzeitig erfordert dieses System hohe Managementkompetenz und gute Infrastruktur. Sie ist vor allem für Mutterkuh- und Mastrinderhaltung geeignet.
 

Fazit

Die Ergebnisse des EIP-Projekts “Weideinnovationen“ zeigen deutlich: Weidehaltung ist auch unter schwierigen Bedingungen möglich, wenn Weidesystem, Pflanzenbestand und Management konsequent an den Standort angepasst werden. Koppelweidesysteme, frühe und angepasste Nutzung, tritttolerante und tiefwurzelnde Pflanzenarten sowie der gezielte Einsatz von Kräutern erhöhen die Resilienz der Weiden. Steilflächen, Bewegungsweiden sowie trockene Grünland- und Ackerflächen können damit nicht nur zur Erfüllung der Weidevorgaben beitragen, sondern langfristig als stabile und vielfältige Futterressourcen genutzt werden.
 
Das EIP-Projekt wurde von Bund, Ländern und Europäischer Union unterstützt. Im Rahmen des Projekts wurden Beratungsbroschüren erstellt. Diese können unter https://raumberggumpenstein.at/forschung/aktuelles/ kostenlos heruntergeladen werden.

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