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Unsichtbare Gefahr im Stall - Die häufigsten Erreger von Euterentzündungen

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13.03.2026 | von Victoria Ratzenböck

Jeder Betrieb kennt sie, oft unbemerkt, aber mit großer Wirkung. Die Keime schlagen zu, bevor man sie sieht.

Zwischendesinfektion mit Peressigsäure (1).png © BRH OÖ
Zwischendesinfektion mit Peressigsäure © BRH OÖ
Grundsätzlich unterscheidet man bei Mastitiserreger zwei Gruppen: euterassoziierte und umweltassoziierte Keime. Euterassoziierte Erreger leben und vermehren sich in der Milchdrüse und werden während des Melkens von Kuh zu Kuh übertragen - sie gelten daher als hoch ansteckend. Umwelterreger hingegen stammen aus der Umgebung der Tiere, also aus Mist, Stroh oder Kot und können bei Kontakt mit einem verschmutzten Umfeld ins Euter gelangen.

Aureus: Wenn Mastitis zur Dauerbaustelle wird

Staphyloscoccus aureaus gilt als einer der meistgefürchteten euterassoziierten Mastitiserreger, denn wenn er einmal im Euter sitzt, wird es schnell ernst. Der Keim arbeitet im Verborgenen, dringt tief ins Eutergewebe ein und kann sich dort abkapseln, wodurch Antibiotika oft nur unzureichend wirken. Viele Infektionen verlaufen zudem subklinisch und bleiben lange unbemerkt, bis sich chronische Veränderungen wie verhärtete Knoten im Euter bilden. Hat sich Aureaus einmal im Bestand etabliert, ist er hartnäckig und verursacht langwierige Probleme. Kühe mit Knotenbildung sind in der Regel chronisch krank und nicht mehr heilbar. Daher erfordert es konsequente Maßnahmen, um Neuinfektionen besonders bei Erst- und Frischlaktierende zu verhindern. Zudem sollte Aureus-Milch nicht an weibliche Kälber verfüttert werden, um eine ungewollte Weitergabe zu vermeiden.

Agalactiae: Der schnelle Überträger

Streptococcus agalactiae zählt zu den alten Bekannten unter den Mastitiserregern. Er ist euterassoziiert und verbreitet sich hauptsächlich während des Melkens über Tröpfchen, Hände, Zitzenbecher oder ungeeignete Reinigungstücher. Oft bleibt die Infektion lange im Verborgene, zeigt sich nur durch drastisch erhöhte Zellzahlen, während der Erreger still das Eutergewebe beschädigt. Da dieser Keim sehr empfindlich auf Penicilin reagiert, gilt die Blitzbehandlung, also die gleichzeitige Therapie aller infizierten Tiere. Nicht heilende Tiere sollten ausgemerzt werden.

Neben den bekannten Hauptursachen gibt es noch weitere euterassoziierte Erreger wie zum Beispiel Streptococcus canis oder Mykoplasmen. Für alle Erreger dieser Gruppe gelten dieselben Vorbeugungsmaßnahmen. Eine saubere Melkhygiene, das Melken infizierter Tiere am Schluss, beziehungsweise eine Zwischendesinfektion mit Peressigsäure, das Ausscheiden chronisch kranker Tiere, ein frisches Tuch pro Kuh, das sorgfältige Dippen mit desinfizierter Wirkung nach jedem Melkvorgang sowie eine gezielte, zum Bestand passende Trockenstelltherapie sind die zentralen Bausteine, um diese Keime langfristig unter Kontrolle zu halten.

Uberis: der typische Umweltkeim

Streptococcus uberis kommt vorallem im tierischen Umfeld vor und verursacht Infektionen besonders zwischen den Melkzeiten, in der zweiten Hälfte der Trockensteherphase und in der Frühlaktation, wenn der Strichkanal leichter geöffnet ist und die Abwehrkraft der Kuh rund um die Abkalbung geschwächt ist. Die Folgen reichen von akuten Euterentzündungen mit deutlichen Symptomen bis zu subklinischen Fällen. Bei einem Bestandesproblem muss der Fokus auf die hygienischen Verhältnisse im Trockensteherbereich, die Stoffwechselgesundheit in der Hochlaktation und auf ein konsequentes Liegeboxenmanagement gelegt werden. Ohne Präventionsmaßnahmen sind die Behandlungschancen eher gering. Behandlungen zum Trockenstellen können gute Erfolge erzielen - der Einsatz eines internen Zitzenversieglers schützt vor Neuinfektionen in der Trockenstehphase. 

KNS: die Hautbesiedler, die oft unterschätzt werden

Koagulasenegative Staphylokokken leben natürlicherweise auf der Haut, Euterhaut und Schleimhäuten, aber auch in der Umwelt. Die Verbreitung erfolgt vor allem von der Haut in den Strichkanal. KNS verursacht meist milde, subklinische Infektionen mit hoher Selbstheilungsrate von ca. 75%. Dennoch kommt es zu Milchmengenverlusten und reduzierten Milchzuckergehalt. Wichtig ist die Melkhygiene und besonders für bakteriologische Milchproben eine gründliche Reinigung der Zitze.

Auch bei den Umweltassoziierten Erregern gilt: Konsequente Vorbeugung ist der stärkste Schutz. Viele dieser Keime wie zum Beispiel Spretococcus dysagalactia, Enterokokken, Escherichia Coli, Klebsielle und viele weiter, stammen direkt aus der Stallumgebung.
Deshalb spielen Stallhygiene, ein gutes Stallklima, ausreichend Platz, eine stabile Fütterung und eine sorgfältige Zitzenpflege durch wirksame Dippmittel eine zentrale Rolle. Bei einem Bestandesproblem kann ein Barrieredippmittel zusätzlich schützen, da dieses einen feinen Hautfilm bildet und somit den Zitzenkanal vor eindringenden Bakterien abschirmt. Die Kühe sollten nach dem Melken mindestens 30 Minuten stehen, damit sich der Zitzenkanal schließen kann. In der Trockensteherphase bieten Zitzenversiegler einen wichtigen Schutz vor Umweltkeimen. Wenn einmal eine klinische Mastitis auftritt, heißt es: schnell reagieren - je nach Grad der Mastitis: von einschmieren mit Minzsalbe bis zu Bolus, bis hin zu Entzündungshemmer, Wasser drenchen und manchmal sind auch Antibiotika erforderlich, um eine weitere Ausbreitung des Erregers im Euter zu verhindern.
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