„Kammer im Dialog“ in den Bezirken: Brisante Themen wurden eingehend diskutiert
„Die Land- und Forstwirtschaft
ist derzeit vor allem auf europäischer
Ebene mit einer enormen
Vielfalt an agrarpolitischen Themen
konfrontiert, welche die
Bauernfamilien beschäftigen
und in ihrer Unternehmerverantwortung
intensiv bewegen.
Gleichzeitig ist die Land- und
Forstwirtschaft weiterhin mit
extrem hohen Preisschwankungen
auf den Agrar- und Betriebsmittelmärkten
konfrontiert.
Trotz dieser enormen Herausforderungen
und vielen Sorgen
waren die Diskussionen in allen
Bezirken von hoher Intensität
und Sachlichkeit geprägt.
Unser Anliegen war es, Antworten
auf viele Fragen zu geben,
gleichzeitig haben wir für unsere
weitere Arbeit klare politische
Prioritätensetzungen und viele
Einzelanregungen zur gesamten
Kammerarbeit mitgenommen“,
ziehen Präsident Franz Waldenberger
und Kammerdirektor
Karl Dietachmair Bilanz zu den
durchgeführten 15 Bezirksveranstaltungen.
Oberste Priorität für die Bäuerinnen
und Bauern haben in
der aktuellen Situation vor allem
weitere Entlastungen im
Betriebsmittelbereich, die Sicherstellung
der künftigen Agrarfinanzierung
auf europäischer
und nationaler Ebene,
die Verhinderung von Liberalisierungsschritten
zu Lasten
der Landwirtschaft in der Handelspolitik,
weitere Schritte für
den Bürokratieabbau, die Weiterentwicklung
des Tiergesundheitsdienstes
sowie die vollständige
Umsetzung der Herkunftskennzeichnung
für verarbeitete
Lebensmittel sowie für die gesamte
Gastronomie.
Konkrete Praxisthemen
Ein wiederholt in den Veranstaltungen
vorgebrachtes Thema
war die dringend notwendige
Weiterentwicklung von Tiergesundheitsprogrammen
im
Rahmen des TGD – vor allem in
der Rinderhaltung. Angesichts
einer weiter hohen Kälbersterblichkeit
wurde vor allem die
Umsetzung eines Tiergesundheitsprogrammes
für Kälber
mit einem niederschwelligen
Zugang zur Grippeschutzimpfung
für Kälber eingefordert. In
mehreren Bezirken wurde auch
die konkrete Vorgangsweise bei
Tierschutzkontrollen und das
konkrete Ausmaß der Sanktionen
einer kritischen Betrachtung
unterzogen. Dazu wurde
mit der Veterinärabteilung des
Landes bereits ein Arbeitsprozess
zur stärkeren Standardisierung
von Tierschutzkontrollen
in die Wege geleitet. Eine ebenfalls
wiederholt geäußerte Forderung
war die Erhöhung der
förderbaren Obergrenzen in der
Investitionsförderung. Diese
soll mit Nachdruck in die künftige
inhaltliche Ausgestaltung
der Gemeinsamen Agrarpolitik
ab 2028 eingebracht werden.
Derzeit gibt es in der Schweinehaltung
und in der Rindermast
weiterhin eine erhebliche Zurückhaltung
bei den Investitionen,
die nun für die Zukunft
wieder entsprechender öffentlicher
Impulse bedürfen.
Handelspolitik mit Kritik behaftet
Quer über die Bezirke hinweg
hat es viele Fragen und Kommentare
zu handelspolitischen
Fragestellungen gegeben. Enttäuschung
herrschte allgemein
darüber, dass es trotz des Wiederstandes
und der Ablehnung
der österreichischen Bundesregierung
auf EU-Ebene zu einem
Verhandlungsabschluss
mit den Mercosur-Staaten gekommen
ist. Eine konsequente
Umsetzung der vereinbarten
Schutzklauseln wird nun als
zentrale Priorität erachtet. Die
Wiedereinführung wirksamer
Importkontingente im Agrarhandel
mit der Ukraine wurde
ausdrücklich begrüßt und
gleichzeitig eine rasche Heranführung
an europäische Produktionsstandards
im internationalen
Agrar- und Lebensmittelhandel
eingefordert.
Agrar- und Lebensmittelpreise
Durchaus breiten Raum nahm
auch die Diskussion zu den
Agrar- und Lebensmittelpreisen
ein. Hinterfragt wurde insbesondere
der niedrige Ausgabenanteil
für Lebensmittel in
Österreich. Mit der Einführung
einer niedrigeren Umsatzsteuer
für Lebensmittel ab Mitte des
Jahres wird vor allem die Chance
auf eine Beendigung der öffentlichen
Lebensmittelpreisdebatte
und der ausgeprägten
Preissensibilität bei den Konsumentinnen
und Konsumenten
gesehen. Immer wieder Kritik
wurde an einzelnen Schleuderpreisaktion
des Lebensmittelhandels
in den letzten Wochen
und Monaten geäußert.
Kammerarbeit absolut unverzichtbar
In mehreren Bezirken wurden
auch sehr grundsätzliche Diskussionen
zur interessenspolitischen
Arbeit und den Serviceleistungen
der Kammer geführt.
Es konnte dargestellt werden,
dass seitens der Kammer
praktisch täglich zahlreiche
„Kammer im Dialog“ in den Bezirken:
Brisante Themen wurden eingehend diskutiert
Das Diskussionsformat „Kammerführung im Dialog“ wurde von Mitte Jänner bis Mitte März von vielen
Bäuerinnen und Bauern in den Bezirken intensiv genutzt, um ihre Anliegen, Forderungen und Sichtweisen
zu agrarpolitischen Themen aktiv in die Kammerarbeit einzubringen.
Bezirksveranstaltung in Grieskirchen: Kammerdirektor Mag. Karl Dietachmair,
Präsident Mag. Franz Waldenberger, BBKO Martin Dammayr, Gertraud
Berghammer (stv. Vors. des Bäuerinnenbeirates) und BBK-DL Ing. Thomas
Jungreuthmayer LK OÖ
25. März 2026 Recht Der Bauer 13
interessenspolitische Interventionen
erfolgen und sich
nur ein kleiner Teil in der
Öffentlichen Berichterstattung
niederschlägt. Ein wesentlicher
Erfolgsfaktor in
der LK-Arbeit sind das breite
Funktionärsnetzwerk bis zur
Ortsebene bzw. die intensive
Zusammenarbeit zwischen
LK-Mitarbeitern und
LK-Funktionären. In der
Kammerarbeit wird im Sinne
der Effizienz und Qualität
der Leistungserbringung
konsequent auf Spezialisierungen
gesetzt. „Nur so ist
es in den vergangenen Jahren
gelungen trotz erheblicher
Personaleinsparungen
im Zuge der strukturellen
Reformen, das umfangreiche
Service- und Leistungsangebot
aufrechtzuerhalten
und gleichzeitig die im Bundesländervergleich
niedrigste
LK-Umlage sicher zu stellen“,
betonte Kammerdirektor
Dietachmair.
Laufende Rückkoppelung mit bäuerlicher Praxis
„Die umfangreichen Diskussionen
sowie zahlreiche
von den Bäuerinnen
und Bauern direkt geäußerte
Anliegen und Forderungen
stellen neben den laufenden
Abstimmungen mit
den gewählten Funktionärinnen
und Funktionären
eine unverzichtbare Grundlage
für die strategische Ausrichtung
und die Schwerpunkte
der künftigen agrarund
interessenspolitischen
Arbeit dar. Ich bin den Teilnehmerinnen
und Teilnehmern
der Bezirksveranstaltungen
sehr dankbar für die
Debatten, Beiträge und offenen
sowie auch kritischen
Meinungsäußerungen, die
wir nun konsequent in unsere
weitere Arbeit einfließen
lassen“, zieht Präsident
Waldenberger zu den 15 Bezirksveranstaltungen
mit
über 1.200 Teilnehmerinnen
und Teilnehmern ein
positives Resumee.