Futtermangel als Chance zur Selektion: Welche Mutterschafe sollten von der Herde genommen werden?
Leistungsstarke Tiere im Bestand halten
Grundsätzlich sollten jene Mutterschafe bleiben, die über mehrere Jahre hinweg ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Gerade in Zeiten knapper Futterressourcen müssen die vorhandenen Futtermittel möglichst effizient in Leistung umgesetzt werden.
Welche Tiere sollen ausselektiert werden?
- Unfruchtbare oder spät tragende Schafe
Mutterschafe, die wiederholt leer bleiben oder erst sehr spät aufnehmen, verursachen Kosten ohne entsprechende Leistung zu erbringen. Solche Tiere gehören meist zu den ersten Ausselektionskandidaten. Idealerweise sollte eine Zwischenlammzeit von acht Monaten bei saisonalen Rassen erreicht werden.
- Schlechte Milchleistung
Hohe Milchleistungen und gute Mutterinstinkte sind das Um und Auf für hohe Tageszunahmen in den ersten beiden Lebensmonaten und eine verkürzte Mastdauer.
- Tiergesundheitsprobleme
Chronische Erkrankungen verurschen zusätzliche Kosten und erhöhen den Arbeitsaufwand. Besonders zu beachten sind: wiederkehrende Lahmheiten, Moderhinke, Euterprobleme, Zahnprobleme, Stoffwechselstörungen und Parasitenanfälligkeit.
- Alte Tiere
Ältere Schafe können zwar wertvolle Zuchttiere sein, dennoch sollte ihre weitere Nutzung kritisch geprüft werden. Besonders Tiere mit nachlassender Fruchtbarkeit, schlechtere Kondition oder Zahnprobleme sollen ausselektiert werden.
- Schlechte Fundamente
Fehlstellungen der Gliedmaßen oder mangelhafte Klauen führen häufig zu eingeschränkter Beweglichkeit und geringer Weideleistung. Diese Merkmale können zudem an die Nachzucht weitergegeben werden.
Körperkondition, Genetik und Nachzucht berücksichtigen
Ein wichtiges Hilfsmittel bei Selektionsentscheidungen ist die Beurteilung der Körperkondition (Body Condition Score). Schafe mit dauerthaft schlechter Kondition trotz ausreichender Versorgung können auf gesundheitliche Probleme oder eine geringe Futtereffizienz hinweisen. Ebenso sollten sehr schwere und verfettete Tiere kritisch betrachtet werden, da sie häufig höhere Erhaltungskosten verursachen. Nicht jede Entscheidung sollte ausschließlich aufgrund der aktuellen Situation getroffen werden. Genetisch wertvolle Tiere mit guten Leistungsmerkmalen sollten nach Möglichkeit erhalten bleiben. Betriebe, die Ablammungen, Fruchtbarkeit, Aufzuchtleistungen und Gesundheitsdaten regelmäßig dokumentieren, können deutlich objektivere Entscheidungen treffen. Eine konsequente Herdenführung hilft dabei, emotionale Entscheidungen zu verhindern und die Wirtschatlichkeit zu steigern.
Fazit
Bei Futtermangel sollte das vorhandene Futter jenen Mutterschafen zugutekommen, die es am effizientesten in gesunde und leistungsfähige Nachkommen umsetzen. Unfruchtbare, kranke, leistungsschwache oder alte Tiere mit nachlassender Produktivität sind die ersten Kandidaten für das Verlassen des Betriebes. Eine konsequente Selektion verbessert nicht nicht nur die Wirtschaftlichkeit in schwierigen Jahren, sondern stärkt auch die Leistungsfähigkeit der Herde für die Zukunft.