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Wassersparende Stoppelbearbeitung im Fokus

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08.07.2026 | von DI Thomas Wallner

Eine optimal abgestimmte Erntetechnik und eine richtige Bearbeitung der Ernterückstände bzw. der Getreidestoppeln sind dabei Grundvoraussetzung für einen Erfolg.

Trockenriss_Weizen_tw (Kopie).jpg © BWSB/Wallner
In manchen Regionen herrscht heuer wieder extreme Trockenheit – wassersparende Bodenbearbeitungsmaßnahmen sind extrem wichtig. © BWSB/Wallner
Nach der Ernte gibt’s für die Bäuerinnen und Bauern keine Verschnaufpause - der Stoppelsturz steht an. Das ist die Möglichkeit Unkräuter und Ausfallgetreide zu regulieren und die Strohrotte zu fördern. Die Herausforderung liegt auch heuer wieder darin, möglichst wassersparend zu arbeiten, damit die Böden nicht noch mehr austrocknen. Nach dem trockenen Mai ließ das feuchtkühle Wetter der ersten Junihälfte den Index der klimatischen Wasserbilanz vorübergehend ansteigen. Darauf folgte die extreme Hitzewelle der zweiten Junihälfte mit hohen Verdunstungsraten. Lt. Prognosen nimmt der Hochdruckeinfluss wieder zu, Niederschläge werden wieder seltener. Dazu ist es für längere Zeit hochsommerlich warm mit hohen Verdunstungsraten. Meist sind nur punktuelle Niederschläge in Form von Gewittern im Bereich des Berg- und Hügellandes zu erwarten. Aktuell liegt der Index meist im trockenen Bereich. Eine optimal abgestimmte Erntetechnik und eine richtige Bearbeitung der Ernterückstände bzw. der Getreidestoppeln sind dabei Grundvoraussetzung für einen Erfolg.

Niederschlagsdefizit 2026 - ein Rückblick

Für Oberösterreich lag das Niederschlagsdefizit im Juni nach den vorläufigen Auswertungen der GeoSphere Austria regional unterschiedlich, aber überwiegend im Bereich von etwa 20 - 40% unter dem klimatologischen Mittel (1991 - 2020).
Im Mühl- und Innviertel war das Defizit besonders ausgeprägt, während Gewitter lokal etwas Entlastung brachten.
  • Die erste Junihälfte brachte noch wiederholt Niederschläge.
  • Vom 15. bis 27. Juni blieb es in weiten Teilen Oberösterreichs jedoch nahezu trocken.
  • Durch die gleichzeitig außergewöhnliche Hitze und hohe Verdunstung verschärfte sich die Trockenheit deutlich. Laut GeoSphere reichte der Niederschlag "von Vorarlberg bis Oberösterreich" nicht aus, um die obersten Bodenschichten ausreichend zu befeuchten.
Das ist besonders bemerkenswert, weil Oberösterreich bereits zuvor sehr trockene Monate erlebt hatte:
  • März 2026: rund -66% Niederschlag gegenüber dem Mittel.
  • April 2026: in weiten Teilen Oberösterreichs -50 bis -70%, regional sogar noch weniger Niederschlag.
Mit der Bodenbearbeitung nach der Getreide- und Rapsernte soll ein Bodengefüge geschaffen werden, dass optimale Bedingungen für die Keimung von Ausfallgetreide, -raps, Ungras- und Unkrautsamen bietet und gleichzeitig die Einleitung der Strohrotte ermöglicht und beschleunigt.

In den letzten trockenen Sommern ist es nicht immer gelungen, diese Ziele im Einklang zu erreichen, da die bereits extrem trockenen Böden, bedingt durch Bodenbearbeitungsmaßnahmen nach der Ernte, noch stärker ausgetrocknet sind.
DSCN4386 (Kopie) (Kopie).jpg © BWSB/Wallner
Kurze Häcksellängen des Strohs sowie ein hoher Spleißgrad der Häcksel sind wichtig © BWSB/Wallner

Erntetechnik & Strohmanagement optimieren

Damit die Stoppelbearbeitung gut gelingen kann, muss mit dem richtigen Strohmanagement der Grundstein gelegt werden. Zunächst gilt es eine gleichmäßige Verteilung von Stroh und Spreu auf der Fläche zu erreichen. Kurze Häcksellängen des Strohs sowie ein hoher Spleißgrad der Häcksel sind für einen raschen mikrobiellen Abbau notwendig.

Nachfolgend ein paar Tipps zur Erntetechnik:
  • Leitbleche zur Strohverteilung am Mähdrescher auf die Schneidwerksbreite einstellen
  • Stroh gleichmäßig ohne Strohhaufen und -schwaden verteilen
  • Verlustschale auswerten und damit Verlustsensor am Mähdrescher überprüfen und eventuell neu kalibrieren
  • Reifendruck anpassen (Reifenregeldruckanlage)

Zeitnah nach der Ernte

Es ist wichtig, die Bearbeitungsmaßnahmen so durchzuführen, dass unter Berücksichtigung der Ziele möglichst viel Restfeuchtigkeit im Boden erhalten bleibt und unproduktive Wasserverluste durch Verdunstung vermieden werden. Eine Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass die Bearbeitung möglichst unmittelbar nach dem Mähdrusch erfolgen sollte, um den kapillaren Wasseraufstieg im Boden und damit die unproduktive Verdunstung zu unterbinden.

Der erste Bearbeitungsgang muss daher unter den vorherrschenden trockenen Bedingungen so flach, wie mit der vorhandenen Technik möglich erfolgen. Es ist darauf zu achten, dass über die gesamte Maschinenarbeitsbreite ein gleichmäßiger Bearbeitungshorizont erzielt wird und gleichzeitig ausreichend Erntereste als Verdunstungsschutz auf der Bodenoberfläche verbleiben.

Ausreichend rückverfestigen

Wichtig ist eine ausreichende Rückverfestigung des gelockerten Bodens und ein "Andrücken" der Erntereste an die Bodenoberfläche, um dadurch die Voraussetzungen für eine Keimung von Ausfallgetreide und Unkraut-/Ungrassamen sowie für die Einleitung der Strohrotte zu schaffen.

Eine erste Bearbeitungstiefe von 8 - 10 cm kann unter trockenen Bedingungen bereits zu intensiv sein, da bei dieser Einstellung meist nur noch etwa 30 - 40% der Erntereste an der Bodenoberfläche verbleiben. Bedingt durch die Bodenlockerung und den fehlenden Verdunstungsschutz in Form von Ernteresten trocknet der Boden dann schnell über den gesamten Bearbeitungshorizont aus.

Unkraut- und Ungrasmanagement

Ein weiterer Aspekt, der für eine erste sehr flache Bodenbearbeitung nach der Ernte spricht, ist das Unkraut- und Ungrasmanagement. Praktiker berichten, dass bei einer sehr flachen Bearbeitung Unkräuter und Ungräser effizienter reduziert werden, da ihre Samen bei dieser Form der Bodenbearbeitung nicht vergraben werden. Die meist sehr kleinen Samen von Ungräsern und Unkräutern benötigen nur wenig Wasser zum Keimen. Allerdings tritt nach dem Samenausfall zunächst einmal eine primäre Keimruhe aufgrund der äußeren Bedingungen ein. Diese ist aber vor allem bei warmen und trockenen Bedingungen während der Abreifephase weniger stark ausgeprägt und wird abgebaut, sofern die Samen unter trockenen Bedingungen direkt auf der Bodenoberfläche oder in geringer Tiefe verbleiben. Dies gilt auch für Ausfallraps.

Bodenstruktur verbessern

Weitere Vorteile dieser Bearbeitungsform sind, dass die natürliche Bodenstruktur unterhalb des Bearbeitungshorizontes u.a. Regenwurmgänge, die den Wasser- und Lufthaushalt des Bodens maßgeblich verbessern, erhalten bleibt, weniger Humus abgebaut wird und kraftstoffsparender gearbeitet werden kann. Mit jedem Zentimeter verringerter Arbeitstiefe werden etwa 100 - 150 t/ha weniger Boden bewegt und der Dieselverbrauch um etwa 10% reduziert.

Aus diesen und weiteren Erkenntnissen heraus wäre bei Trockenheit eine extrem flache Bodenbearbeitung das Ziel. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass über die gesamte Arbeitsbreite des Bearbeitungsgerätes ein ganzflächiger Schnitt des Bodens bei nur ca. 3 cm Arbeitstiefe erreicht wird und die Erntereste weitestgehend als Erosions- und Verdunstungsschutz auf der Bodenoberfläche verbleiben.
IMG_20170714_153106_BURST011 (Kopie).jpg © BWSB/Wallner
Stoppelbearbeitung – seicht, flächig und leicht schräg durchführen! © BWSB/Wallner
Je nach Bodenschwere eignen sich folgende Geräte bzw. Arbeitswerkzeuge:
  • ​​​​leicht
    • Strohstriegel
    • Gänsefußschar
    • Flügelschar
  • mittel
    • Gänsefußschar
    • Flügelschar
  • schwer
    • Doppelherzschar
IMG_2053 (Kopie) (Kopie).jpg © BWSB/Wallner
Wichtig – zu Beginn der Stoppelsturzarbeit öfters vom Traktor absteigen und das Arbeitsergebnis überprüfen, in dem man die lockere Erde von Hand oder mit einem Besen bzw. Rechen zur Seite räumt © BWSB/Wallner
Tipp: Feldtage zur Stoppelbearbeitung Termine | bwsb - Termine
FELDTAG Bodenbearbeitung im Sommer | bwsb - Termine
Ausfallraps_1_tw (Kopie).jpg © BWSB/Wallner
Ausfallraps richtig managen. © BWSB/Wallner

Tipps, wie man Ausfallraps am besten managt:

Oberstes Gebot: Rapssamen nur ganz flach in den Boden einarbeiten! Außerdem ist - besonders in Hanglagen - auf Erosionsschutz zu achten.
  • Die höchsten Keimraten werden erzielt, wenn die abgeernteten Flächen zunächst mit einem Mulcher bearbeitet werden. Der Mulcher schlägt geschlossene Schoten auf, und die Rapssamen bekommen Kontakt zum Boden. Das Mulchmaterial deckt den Boden nahezu ganzflächig ab und speichert die Feuchtigkeit. Unter der Mulchschichte ist es immer feucht, egal wie ausgedörrt es bereits ist. Außerdem kann das Mulchen zur Verbesserung der Feldhygiene beitragen.
  • Alternativ lässt sich auch der Striegel gut einsetzen. Der Striegelgang ist möglichst zu jeder Auflaufwelle zu wiederholen. Das bekämpft den Aufwuchs und bringt weitere Samen zur Keimung.
  • Im weiteren Verlauf kommen dann Grubber oder Scheibenegge zum Einsatz. Ist die Bodenstruktur in Ordnung, lässt sich z.B. der nachfolgende Weizen ohne tiefe Lockerung anbauen. Der auflaufende Raps sollte - je nach Witterung - nach ca. zwei bis drei Wochen umgebrochen werden. Die aufgelaufenen Rapspflanzen sollten nicht mehr als 2 - 3 Laubblätter bilden, denn sonst kommt es zur weiteren Verbreitung von Krankheiten wie Kohlhernie, Verticillium und Förderung von Kohlfliegenbefall.
Nähere Informationen bei der Boden.Wasser.Schutz.Beratung unter 050/6902-1426 bzw. www.bwsb.at.

Kontakt

  • Thomas Wallner
    DI Thomas Wallner
    thomas.wallner@lk-ooe.at
    T (050) 6902-1556

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