Versorgungssicherheit beginnt mit der Stärkung der heimischen Bauernhöfe
Für Peter Vorhofer, Krisensicherheitsberater
der österreichischen
Bundesregierung, ist
die Lebensmittelversorgung
längst Teil der nationalen Sicherheit.
Geopolitische Spannungen,
Energieabhängigkeiten,
Cyberangriffe und die Auswirkungen
des Klimawandels
würden die Widerstandsfähigkeit
von Staat und Gesellschaft
zunehmend herausfordern.
Entscheidend sei daher, dass
auch in Krisensituationen alle
notwendigen Strukturen funktionsfähig
bleiben.
Wie belastbar das Versorgungssystem
ist, untersuchte
das KIRAS-Forschungsprojekt
„Nationale Reserve“. Analysiert
wurden unter anderem
ein Blackout, ein Energiemangel,
fehlende Arbeitskräfte und
mehrjährige Dürreperioden.
Die Ergebnisse zeigen, dass
Österreich kurzfristige Krisen
grundsätzlich gut bewältigen
kann. Kritisch könnte die Situation
allerdings werden, wenn
zwei schwere Dürrejahre aufeinanderfolgen.
Die Erfahrungen des trockenen
Sommers 2026 verdeutlichen
laut Michaela Langer-Weninger,
wie wichtig Investitionen
in eine klimafitte Landwirtschaft
sind. Dazu zählen
eine sichere Wasserversorgung,
angepasste Sorten sowie
moderne Produktions- und
Bewirtschaftungstechniken.
„Unsere Bäuerinnen und Bauern
sorgen tagtäglich dafür,
dass wir mit hochwertigen Lebensmitteln
versorgt werden.
Aber auch sie sind auf Energie,
Betriebsmittel und funktionierende
Lieferketten angewiesen.
Versorgungssicherheit beginnt
deshalb auf unseren Höfen, endet
aber nicht am Hoftor. Wir
müssen dafür sorgen, dass unsere
Landwirtschaft auch unter
schwierigen Bedingungen
produzieren kann und die Lebensmittel
anschließend bei
den Menschen ankommen“,
betonte Agrar-Landesrätin Michaela
Langer-Weninger.
Strategische Souveränität gefordert
In der Podiumsdiskussion
stellte auch LK OÖ-Präsident
Franz Waldenberger klar: „Wir
können nicht erwarten, dass
Strukturen in der Krise da
sind, wenn wir sie außerhalb
der Krise nicht erhalten. Dafür
braucht es unsere Bäuerinnen
und Bauern, aber auch die
Partnerinnen in der Verarbeitungsindustrie,
in der Logistik
und im Handel. Wir müssen
mehr zusammenrücken und es
braucht natürlich auch die nötigen
Investitionen für die Zukunft.“
Auch Franz Sinabell, Agrarexperte
im WIFO, betont die
Bedeutung einer „strategischen
Souveränität“. Versorgungssicherheit
könne nur
gewährleistet werden, wenn
die gesamte Wertschöpfungskette
von den Vorleistungen
über die landwirtschaftliche
Produktion bis zur Lebensmittelverarbeitung
leistungsfähig
bleibt. Produktion und Weiterverarbeitung
vor Ort seien
dabei zentrale Erfolgsfaktoren.
Besondere Bedeutung komme
daher der heimischen Lebensmittelverarbeitung
zu.
Die angekündigte Schließung
des Tiefkühlgemüsewerks von
Ardo in Groß-Enzersdorf zeige,
wie rasch wichtige Absatzwege,
Arbeitsplätze und regionale
Wertschöpfung verloren
gehen können. Eine starke Lebensmittelwirtschaft
sei somit
ein wesentlicher Bestandteil
der Versorgungssicherheit.
Oberösterreich setzt deshalb
auf die Stärkung regionaler
Wertschöpfungsketten, Investitionen
in Verarbeitung und
Vermarktung sowie auf Forschung
und Innovation. Über
den agrarischen Zukunftsfonds
wurden seit 2022 rund
50 Forschungsprojekte unterstützt.
Zudem flossen rund 42
Prozent der österreichweiten
Fördermittel für den „Energieautarken
Bauernhof“ an OÖ
Betriebe.
Regionale Produkte kaufen als Stärkung
Ein wichtiger Beitrag liege
auch bei den Konsumentinnen
und Konsumenten: Mit dem
Kauf heimischer Lebensmittel
können sie regionale Betriebe
stärken und dazu beitragen,
dass Produktion, Verarbeitung
und Wertschöpfung im Land
erhalten bleiben. Versorgungssicherheit
ist somit nicht nur
eine Frage der Landwirtschaft,
sondern eine gemeinsame Aufgabe
entlang der gesamten Lebensmittelkette,
die in guten
und schlechten Zeiten Unterstützung
braucht.