Schweinehaltung: fehlende Attraktivität für Investitionen stellt Versorgungssicherheit in Frage
Marktverwerfungen, Preisverfall, steigende Kosten und anstehende rechtlich vorgegebene Investitionspflichten stellen viele Betriebe in der Schweinehaltung vor die Frage der Weiterführung der Produktion. Bei fehlenden Investitionen oder Rahmen- und Marktbedingungen, welche das langfristige Erzielen von Einkommen nicht ermöglichen, könnte die Eigenversorgung mit hochwertigem heimischem Schweinefleisch verloren gehen. Die wirtschaftliche Situation vieler Ferkelerzeuger und Schweinemäster hat sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. Gleichzeitig stehen die Betriebe vor enormen Investitionen zur Umsetzung neuer gesetzlicher Haltungsstandards. Klare politische Rahmenbedingungen, faire Marktbedingungen und ausreichende Investitionsförderungen sind notwendig, damit die heimische Ferkel- und Schweineproduktion erhalten bleibt und sich weiterentwickeln kann.
„Auch das Dürrejahr 2026 zieht seine Spuren auch in der Schweineproduktion. Geringere Maiserträge schwächen die Futterversorgung. Gerade die Fütterung mit Mais von den eigenen Flächen ist ein entscheidender Vorteils-Faktor in Österreich im Vergleich zu anderen Produktionsländern. Sollten die geringeren Maisvorräte im Sommer 2027 früher als bisher zur Neige gehen, könnte das dazu führen, dass Mäster bis zur neuen Ernte keine Ferkel einstellen und damit die Problematik für die Ferkelerzeugerstufe zusehends verschärfen. Dazu kommen aktuell steigende Kosten für Eiweißfuttermittel“, erläutert Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, die prekäre Situation.
Die Krise trifft die Ferkelerzeuger mit voller Wucht. Der Ferkelpreis ist innerhalb eines Jahres um 25 Prozent von über 100 auf unter 75 Euro gefallen. Gleichzeitig sind die Produktionskosten enorm angestiegen. „Die Folge: Selbst leistungsstarke Betriebe können ihre Vollkosten nicht mehr voll decken. Die aktuelle Situation gefährdet die wirtschaftliche Existenz zahlreicher Familienbetriebe“, erläutert Johann Stinglmayr, Leiter der Beratungsstelle Schweinehaltung und Geschäftsführer der VLV-Ferkelringe.
Dauerausstellung für neue Abferkelbuchten in Wels
Die Landwirtschaftskammer hat Anfang des Jahres mit einer Dauerausstellung für Abferkelbuchten einen Bildungs- und Beratungsschwerpunkt gesetzt. Die Besichtigung von bereits umgebauten Schweinestallungen eines Berufskollegen ist in Zeiten von Afrikanischer Schweinepest und Maul- und Klauenseuche nicht mehr möglich. „Deshalb hat die Beratungsstelle für Schweinehaltung eine permanente Ausstellung zur Thematik in der Bezirksbauernkammer Wels eingerichtet. In enger Zusammenarbeit mit den namhaften heimischen Stallbaufirmen wurden dort fünf unterschiedliche Bewegungsbuchten in Originalgröße eingebaut“, erläutert Stinglmayr.