OÖ Pflanzenmarkt KW 44/2026
Friedensverhandlungen drücken auf Rohstoffpreise
Laut der Nachrichtenagentur Interfax verzeichnet Russland 2026/27 bei Weizen eine Rekordernte von 93 Mio. t. Die Weizenexporte sind wegen ukrainischer Angriffe über die russischen Schwarzmeerhäfen seit Ende September eingebrochen. Damit werden laut Sovecon die russischen Weizenexporte 2026/27 auf 36 Mio. t (-10 Mio. t) zurückgehen. Auch die Ukraine hat wegen russischer Angriffe auf die Hafenstadt Odessa massive Exportprobleme, aber Sovecon erwartet, dass trotz derzeit fehlender Binnenschifffahrt, die Weizen- und Maisexporte weniger stark einbrechen. Die für November angekündigten Friedensverhandlungen zur Beilegung des Ukrainekrieges ließen in der zweiten Oktoberhälfte die Notierungen für Weizen und Mais an der Euronext in Paris deutlich fallen.
Sojaextraktionsschrote werden am EU-Binnenmarkt knapp
Die EU-Sojaernte fällt heuer mit einem Durchschnittsertrag von 2,26 t/ha und 2,4 Mio.t um 20 % niedriger als im Vorjahr aus. Grundsätzlich steht weltweit genug Soja für den Import in die EU zur Verfügung, aber die außergewöhnlich niedrigen Pegelstände von Rhein und Donau führen aktuell zu massiven Logistikproblemen. Große deutsche Ölmühlen, wie beispielsweise in Mainz, haben bereits die Produktion eingestellt, weil sie über den Wasserweg nicht mehr mit Sojabohnen versorgt werden können. Ebenso sind die Preise für Sojaextraktionsschrote massiv im Steigen, weil die Versorgung der EU-Binnenländern hauptsächlich über italienische Ölmühlen, mit hohen Transportkosten über LKW und Bahn, erfolgt. Der Sojaextraktionsschrot mit 44 % Protein ist nicht mehr verfügbar und auch HP-Soja 49 % und gentechnikfreier Soja 45,5 % werden zunehmend knapp. Eine Entspannung wird erst nach ausgiebigen Regenfällen erwartet.
Stickstoffdüngerpreise ziehen weiter an
Leider ziehen die Düngerpreise aufgrund der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten weiter an und erreichen Ende Oktober neue Höchststände. Im OÖ-Agrarhandel wird NAC 27 %, im BigBag, inkl. Mwst. um 585 €/t, Complex 15:15:15 um 760 €/t, DASA um 650 €/t und Harnstoff 46% granuliert um 820 €/t angeboten.
EU-Rübenproduktion heuer stark rückläufig
Die Zuckerrübenernte 2026 verläuft in Europa sehr unterschiedlich. Viele europäische Regionen kämpfen mit deutlichen Ertrags- und Qualitätsproblemen. In Frankreich wurden rund 40.000 ha Zuckerrüben durch den Rübenrüssler (Lixus juncii) massiv geschädigt. Es handelt sich dabei, im Gegensatz zum Rübenderbrüssler aus dem Weinviertel, um einen neuen Schädling, wo die Larven Gänge in Blattstiele und Rübenkörper fressen. Aufgrund von Trockenheit, Hitze und Schädlingsbefall wurden die Schätzungen für die EU-Zuckerproduktion in den vergangenen Wochen auf nur noch 12,7 Mio. Tonnen Zucker runter korrigiert.
Damit fällt die Erzeugung deutlich geringer aus als noch zu Jahresbeginn erwartet. Die zuvor vorhandene Überversorgung am EU-Zuckermarkt dürfte dadurch abgebaut werden. Die Zuckerpreise zeigen wieder nach oben, da Handel und Industrie die kleinere europäische Ernte zunehmend einpreisen. Zusätzlich stützen die rückläufige Verfügbarkeit von Zucker sowie die Aussicht auf eine engere Marktversorgung die Preisentwicklung.
Damit fällt die Erzeugung deutlich geringer aus als noch zu Jahresbeginn erwartet. Die zuvor vorhandene Überversorgung am EU-Zuckermarkt dürfte dadurch abgebaut werden. Die Zuckerpreise zeigen wieder nach oben, da Handel und Industrie die kleinere europäische Ernte zunehmend einpreisen. Zusätzlich stützen die rückläufige Verfügbarkeit von Zucker sowie die Aussicht auf eine engere Marktversorgung die Preisentwicklung.
Zuckersteuer bringt bisher keinen Effekt bei Adipositas
In Deutschland ist die Einführung einer Zuckersteuer auf zuckerhaltige Getränke mit 1. Juli 2027 geplant. Die Erfahrungen aus Großbritannien zeigen zwar, dass der Zuckergehalt von Getränken sowie der Zuckerkonsum reduziert werden konnten, ein eindeutiger Nachweis für eine breite und nachhaltige Verringerung der Adipositas in der Gesamtbevölkerung steht jedoch weiterhin aus. Umgerechnet auf die gesamte deutsche Zuckerrübenfläche bringt die Zuckersteuer dem Staat mehr als 3.000 €/ha. Damit verdient der deutsche Fiskus an einem Hektar Rüben künftig mehr als viele deutsche Rübenbauern im Jahr 2026 mit dessen Produktion umsetzen.
Zuckerrübe gewinnt in OÖ weiter an Bedeutung
Am 7. Oktober wurde in Tulln die Verarbeitung der Zuckerrüben gestartet. Während Oberösterreich heuer einen Durchschnittsertrag von voraussichtlich rund 72 t/ha erreicht, wird für Österreich derzeit ein Ertrag von durchschnittlich rund 54 t/ha erwartet. Die Kontrahierung für die Ernte 2027 läuft seit 15. September und soll bis 30. November abgeschlossen werden. Ziel sind 25.000 ha konventionelle Zuckerrüben sowie 1.000 ha Bio-Zuckerrüben, um die Eigenversorgung wieder sicherzustellen. Oberösterreich erzeugte heuer erstmals mehr als ein Drittel der österreichischen Rübenproduktion Für eine ausreichende Rohstoffsicherung der Tullner Zuckerfabrik wird die nächsten Jahre eine Rübenflächenausweitung in Oberösterreich erforderlich sein. Das oberösterreichische Rohstoffgebiet entwickelte sich, bisher noch frei von kritischen Rübenschädlingen und der Krankheit SBR, zu einem der verlässlichsten Produktionsstandorte Mitteleuropas.