Mehr Indien als Österreich im Gurkenregal
Wirtschaften am Land zeigt auf: Bei rund zwei Drittel der Essiggurkenprodukte im heimischen Regal ist die Herkunft nicht erkennbar. Besonders intransparent sind Eigenmarken des Handels: Bei 80% fehlt die Herkunftsangabe vollständig. Besonders alarmierend bei den Eigenmarken: Ein Viertel enthält Gurken aus Indien, 5 von 40 Gurkengläsern enthalten österreichische Herkunft.
Wirtschaften am Land überprüfte Anfang Juni 2026 in Filialen des Lebensmitteleinzelhandels insgesamt 98 Essiggurkenprodukte – davon 58 Markenartikel und 40 Eigenmarkenartikel. Die Ergebnisse wurden gemeinsam mit der efko Frischfrucht und Delikatessen GmbH und der Landwirtschaftskammer Oberösterreich im Rahmen einer Pressekonferenz am Betrieb von Alfred Aichinger in Hartkirchen präsentiert. Dabei fordern die drei Organisationen die Handelsketten dazu auf, die Herkunft transparent auszuweisen.
Bei 77,5 Prozent der Eigenmarken des Handels wird die Herkunft am Etikett für die Konsumenten nicht ausgewiesen. Seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 und der damit verbundenen Marktöffnung sank der oberösterreichische Marktanteil bei Einlegegurken im Lebensmitteleinzelhandel von mehr als 80 Prozent auf rund 50 Prozent.
„Die Konsumenten erwarten sich heimische Gurkerl, bekommen jedoch oft unwissentlich Gurken aus Indien. Speziell bei den Eigenmarken des Handels ist die Herkunft nicht erkennbar. Wir sehen hier eine dramatische Entwicklung für die Konsumenten und für die heimischen Gemüsebauern", sagt Mag. Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land.
Importgurken aus Ländern wie Indien werden zu deutlich niedrigeren Kosten produziert. Das erhöht den Druck auf heimische Bauern und Verarbeiter. Gleichzeitig steigen in Österreich die Kosten für Arbeit, Energie und Betriebsmittel. efko-Geschäftsführer Mag. Thomas Krahofer fordert deshalb faire Bedingungen für regionale Rohware, Verarbeitung und Arbeitsplätze.
„Einlegegurken gehören zu den arbeitsintensivsten Kulturen und werden überwiegend händisch geerntet. Unsere Betriebe brauchen verfügbare Saisonarbeitskräfte zu wettbewerbsfähigen Konditionen, niedrigere Lohnnebenkosten und praxistaugliche Lösungen beim Pflanzenschutz. Davon hängen mehr als 1.000 direkte Arbeitsplätze im oberösterreichischen Gemüsebau und rund 1.500 weitere Arbeitsplätze in nachgelagerten Bereichen ab“, betont Waldenberger.