Kommentar: Kampagne gegen LK-Mitarbeiter kontraproduktiv
Als Bäuerinnen und Bauern sind wir derzeit in
mehreren Produktionssparten mit einer äußerst
schwierigen Marktsituation konfrontiert.
Dazu kommen die aufgrund des Iran-Konfliktes
zuletzt massiv gestiegenen Energie- und Betriebsmittelpreise.
Funktionäre und Mitarbeiter
in der Kammer und in den Fachverbänden bzw.
Erzeugerorganisationen arbeiten unter schwierigen
Rahmenbedingungen mit Engagement
an der Erzielung bestmöglicher Erzeugerpreise
und entsprechender Kostenentlastungen.
Gleichzeitig sind wir gefordert, mit objektiven
Marktinformationen in der Öffentlichkeit Verständnis
für die Anliegen der Landwirtschaft zu
schaffen. Als Landwirtschaftskammer gelingt uns
dazu gemeinsam mit unseren Fachexperten eine
durchaus bemerkenswerte mediale Präsenz. In
dieser für Alle herausfordernden Situation nun
aber die Kammermitarbeiter und insbesondere
deren Führungskräfte mit gezielten Falschinformationen
zu den Verantwortlichen für niedrige
Erzeuger- und hohe Betriebsmittelpreise zu machen,
ist in einer Vorwahlsituation eine mehr als
durchschaubare billige politische Aktion. So hat
in der Kammer absolut niemand behauptet, dass
man angesichts der schwierigen Situation in der
Schweinehaltung oder im Ackerbau „die Lage
noch bewältigen könne“. Der geäußerte Vorwurf,
Kammermitarbeitern fehle dazu das Gefühl der
Betroffenheit und diese würden sich nicht mit
Überzeugung für die bäuerlichen Interessen einsetzen,
entspricht keinesfalls der Wahrnehmung
von uns Bäuerinnen und Bauern. Ich habe als Bäuerin,
als ehemalige Bezirksbauernkammer-Obfrau
und nun als Vizepräsidentin stets erlebt, dass unsere
LK-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit
höchstem Engagement und auch Leidenschaft
für die Anliegen und Interessen der bäuerlichen
Familien arbeiten. Viele Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter führen selbst einen bäuerlichen Betrieb
und fast alle von ihnen stammen von einem
land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb oder fühlen
sich sonst engstens mit der Land- und Forstwirtschaft
verbunden. Und genau dieses intensive
Engagement möchte man nun offenbar mit einer
gezielten Kampagne wirksam untergraben.
Dazu gehört jüngst auch eine Anzeige von
UBV-Obmann Karl Keplinger bei der Staatsanwaltschaft
Linz wegen des Verdachtes des Amtsmissbrauches
bei der Bestellung von Laienrichtern
nach dem Arbeits- und Sozialgerichtsgesetz.
Der Verfahrensfehler bei vergangenen
Laienrichterbestellungen wurde im April festgestellt
und es wurde umgehend eine entsprechende
Korrektur eingeleitet. Der UBV wurde
zur Nominierung von Laienrichtern für die
Vollversammlung im Juni aufgefordert. Gleichzeitig
wurde von allen beteiligten Mitarbeitern
versichert, dass es im Zuge der vergangenen
Nominierungen keinerlei politischen Einfluss
gegeben und damit auch kein wissentliches
Fehlverhalten vorgelegen hat. Erst im Nachhinein
wurde auf Initiative des UBV dann von
den Neos eine Anfrage im Oberösterreichischen
Landtag eingebracht. Wenn es um das Anpatzen
der eigenen Berufsvertretung geht, dann arbeitet
der UBV auch gerne mit bauernkritischen
Parteien zusammen.
Im Zuge der jüngsten Vollversammlung wurde
nun auf Basis einer Fraktionswahl die Neubestellung
von Laienrichtern beschlossen. Auf
der bisherigen Liste waren neben LK-Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern, Vertreter des Bauernbundes,
des UBV, der Freiheitlichen Bauernschaft
und der SPÖ-Bauern bestellt. Die Vorgaben
des Verhältniswahlrechtes wurden bisher
aufgrund der Berücksichtigung von Mitarbeitern
weder für den Bauernbund noch für den
UBV erfüllt.
Die aktuellen Aktivitäten zeigen, dass demokratische
Gepflogenheiten, faktenbasierte Diskussionen
und ein korrekter Umgang, wie sie bei
politischen Parteien und auch bei den anderen
in der Vollversammlung vertretenen Wählergruppen
üblich sind, für einige UBV-Spitzenvertreter
offenbar ein Fremdwort darstellen.
Ich appelliere daher an die Vertreter des UBV,
ihre politischen Aktivitäten nicht mehr weiter
durch unhaltbare Vorwürfe auf dem Rücken
von LK-Mitarbeitern auszutragen. Wir brauchen
deren Ressourcen, deren Einsatz und Engagement
sowie Motivation vielmehr dringend,
um weiter mit Konsequenz für die Interessen
und den Erfolg der bäuerlichen Familien zu
arbeiten. Das gezielte und unberechtigte Anpatzen
schadet nicht nur der Kammer, sondern in
letzter Konsequenz dem gesamten bäuerlichen
Berufsstand.