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Grüner Bericht OÖ 2026: Zwischen Dürre, Marktdruck und Zukunftsfragen

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20.10.2026 | von Land OÖ

Die oberösterreichische Land- und Forstwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Nach einer wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2025 sorgt vor allem die extreme Trockenheit im Jahr 2026 wieder für erhebliche Belastungen auf den Betrieben.

Grüner Bereicht OÖ.jpg © Land OÖ/Kauder
V.l.: Leiter Abteilung Land- und Forstwirtschaft, Land OÖ, Mag. Hubert Huber, Agrar- Landesrätin Michaela Langer-Weninger, PMM und Agrarökonom Priv.- Doz. Dipl.-Ing. Dr. Franz Sinabell. © Land OÖ/Kauder
„Dürre, schwankende Einkommen und steigende Erwartungen stellen unsere bäuerlichen Familienbetriebe vor große Herausforderungen“, betonte Agrar- Landesrätin Michaela Langer- Weninger. Die Landwirtschaft müsse wirtschaftlich tragfähig bleiben, um auch künftig ihre vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft erbringen zu können.

Einkommen bleiben volatil

Der Grüne Bericht zeigt einmal mehr, wie stark die landwirtschaftlichen Einkommen von Wetterverlauf und Marktentwicklung abhängen. Nach einem deutlichen Einkommensrückgang im Jahr 2023 und einer Erholung im Jahr 2024 konnten die Betriebe 2025 wieder bessere Ergebnisse erzielen. Dafür verantwortlich waren insbesondere höhere Preise für Milch und Rindfleisch sowie gute Erträge im Pflanzenbau. Im Dreijahresdurchschnitt 2023 bis 2025 lag das Einkommen bei 51.094 Euro je Betrieb beziehungsweise 39.157 Euro je betrieblicher Arbeitskraft. Im Jahr 2025 erreichte das Einkommen durchschnittlich 54.271 Euro je Betrieb beziehungsweise 40.221 Euro je Arbeitskraft. Für 2026 wird aufgrund der massiven Trockenheit jedoch wieder ein Rückgang erwartet. Die Entwicklung verdeutlicht laut Landesrätin, wie wichtig langfristig stabile Rahmenbedingungen für die bäuerlichen Familienbetriebe sind. Schließlich werde auf landwirtschaftlichen Betrieben nicht in Jahresabschnitten, sondern generationenübergreifend geplant und investiert.

Bedeutender Wirtschaftsfaktor

Oberösterreich zählt zu den wichtigsten Agrarregionen Österreichs. Insgesamt bewirtschaften 28.844 land- und forstwirtschaftliche Betriebe rund 290.168 ha Ackerland, 205.649 ha Grünland und etwa 463.300 ha Wald. Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 2,9 Mrd. Euro ist die Land- und Forstwirtschaft ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im Bundesland. Darüber hinaus erfüllen die Betriebe zahlreiche gesellschaftliche Aufgaben. Sie versorgen die Bevölkerung mit Lebensmitteln und Rohstoffen, pflegen die Kulturlandschaft und tragen wesentlich zur regionalen Beschäftigung und Wertschöpfung bei.

Umweltleistungen und Direktzahlungen

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Leistungen im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL. Rund 85 Prozent der oberösterreichischen Invekos-Betriebe nehmen an zumindest einer Umweltmaßnahme teil. Knapp 18.700 Betriebe bewirtschaften dabei rund 350.000 Hektar im Rahmen entsprechender Umweltmaßnahmen. Im Jahr 2025 wurden dafür 116,4 Mio. Euro ausbezahlt. Auch die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete trägt wesentlich zur Bewirtschaftung und Einkommensstabilisierung bei. Rund 14.400 Betriebe erhielten 2025 insgesamt 37,1 Mio. Euro. Zusätzlich flossen über die Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik rund 122 Mio. Euro an rund 21.700 Betriebe. Die durchschnittliche Direktzahlung lag bei etwa 5.600 Euro je Betrieb.

Blick auf die GAP nach 2027

Mit dem Auslaufen der aktuellen GAP-Periode Ende 2027 richtet sich der Blick bereits auf die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028. Nach Ansicht von Michaela Langer-Weninger müsse die künftige Agrarpolitik Antworten auf Klimawandel, Marktschwankungen, steigende Produktionskosten und gesellschaftliche Erwartungen liefern. Dafür brauche es ausreichend finanzielle Mittel und praxistaugliche Instrumente. Aus Befragungen leiten Politik und Interessenvertretungen fünf zentrale Anliegen für die Zukunft ab: weniger Bürokratie, faire Erzeugerpreise und Einkommen, eine durchgängige Herkunftskennzeichnung, Kostensenkungen sowie die Beibehaltung von Direktzahlungen und Ausgleichsmaßnahmen.

Dürrejahr 2026 belastet Betriebe

Besonders prägend für das laufende Jahr ist die extreme Trockenheit. Die vergangenen zwölf Monate waren österreichweit die trockensten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850. Die Auswirkungen sind auf Feldern und Wiesen deutlich sichtbar: geringere Erträge, Futterknappheit und zusätzliche Kosten für viele Betriebe. Die Österreichische Hagelversicherung beziffert die landwirtschaftlichen Schäden österreichweit bereits auf rund eine Mrd. Euro. Um die Betriebe zu unterstützen, wurde auf Bundesebene ein Dürre- Hilfspaket in Höhe von 240 Mio. Euro beschlossen. Dieses umfasst Erleichterungen bei Sozialversicherungsbeiträgen, Verbesserungen bei der Dürreversicherung sowie Kredit- und Zinsstützungen. Gleichzeitig gewinnt die Anpassung an den Klimawandel zunehmend an Bedeutung. Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung, die Wahl trockentoleranter Sorten, technische Innovationen sowie angepasste Bewirtschaftungsstrategien sollen die Widerstandsfähigkeit der Betriebe stärken. Auch in der Forstwirtschaft werden klimafitte Mischbestände künftig eine noch größere Rolle spielen.

30 Jahre EU-Mitgliedschaft

Anlässlich des 30-jährigen EUBeitritts Österreichs zog WIFO- Agrarökonom Franz Sinabell eine Zwischenbilanz. Trotz aller Herausforderungen habe die Einbindung in den europäischen Binnenmarkt der österreichischen Landwirtschaft neue Absatzmöglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig hätten Agrarumweltprogramme und Ausgleichszahlungen geholfen, den Strukturwandel abzufedern. Sinabell verwies darauf, dass Länder außerhalb der EU wie die Schweiz oder Norwegen ebenfalls mit ähnlichen strukturellen Herausforderungen konfrontiert seien, dort jedoch deutlich höhere Lebensmittelpreise und höhere staatliche Stützungsleistungen erforderlich seien. Insgesamt seien die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft sowie Konsumentinnen und Konsumenten innerhalb der EU vorteilhaft. Der Grüne Bericht OÖ 2026 macht deutlich: Die Land- und Forstwirtschaft bleibt ein zentraler Pfeiler für Versorgungssicherheit, Umweltleistungen und regionale Wirtschaftskraft. Gleichzeitig zeigen Dürre, Klimawandel und volatile Märkte, dass stabile politische Rahmenbedingungen und wirksame Risikovorsorge künftig noch wichtiger werden. „Unsere Bäuerinnen und Bauern arbeiten in einer Werkstatt unter freiem Himmel. Wenn über Wochen der Regen ausbleibt, fehlt am Ende nicht nur Ertrag auf dem Feld, sondern auch Futter im Stall und Einkommen am Hof. Genau für solche Jahre braucht es eine starke Risikovorsorge, damit aus einer Wetterkrise nicht eine Existenzkrise wird“, betont Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger.
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