Grüner Bericht OÖ 2026: Zwischen Dürre, Marktdruck und Zukunftsfragen
„Dürre, schwankende Einkommen
und steigende Erwartungen
stellen unsere bäuerlichen
Familienbetriebe vor große Herausforderungen“,
betonte Agrar-
Landesrätin Michaela Langer-
Weninger. Die Landwirtschaft
müsse wirtschaftlich
tragfähig bleiben, um auch
künftig ihre vielfältigen Leistungen
für die Gesellschaft erbringen
zu können.
Einkommen bleiben volatil
Der Grüne Bericht zeigt einmal
mehr, wie stark die landwirtschaftlichen
Einkommen von
Wetterverlauf und Marktentwicklung
abhängen. Nach einem
deutlichen Einkommensrückgang
im Jahr 2023 und
einer Erholung im Jahr 2024
konnten die Betriebe 2025 wieder
bessere Ergebnisse erzielen.
Dafür verantwortlich waren
insbesondere höhere Preise für
Milch und Rindfleisch sowie
gute Erträge im Pflanzenbau.
Im Dreijahresdurchschnitt
2023 bis 2025 lag das Einkommen
bei 51.094 Euro je Betrieb
beziehungsweise 39.157 Euro je
betrieblicher Arbeitskraft. Im
Jahr 2025 erreichte das Einkommen
durchschnittlich 54.271
Euro je Betrieb beziehungsweise
40.221 Euro je Arbeitskraft.
Für 2026 wird aufgrund der
massiven Trockenheit jedoch
wieder ein Rückgang erwartet.
Die Entwicklung verdeutlicht
laut Landesrätin, wie wichtig
langfristig stabile Rahmenbedingungen
für die bäuerlichen
Familienbetriebe sind. Schließlich
werde auf landwirtschaftlichen
Betrieben nicht in Jahresabschnitten,
sondern generationenübergreifend
geplant
und investiert.
Bedeutender Wirtschaftsfaktor
Oberösterreich zählt zu den
wichtigsten Agrarregionen Österreichs.
Insgesamt bewirtschaften
28.844 land- und
forstwirtschaftliche Betriebe
rund 290.168 ha Ackerland,
205.649 ha Grünland
und etwa 463.300 ha Wald.
Mit einer Bruttowertschöpfung
von rund 2,9 Mrd. Euro
ist die Land- und Forstwirtschaft
ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor
im Bundesland.
Darüber hinaus erfüllen die Betriebe
zahlreiche gesellschaftliche
Aufgaben. Sie versorgen
die Bevölkerung mit Lebensmitteln
und Rohstoffen, pflegen
die Kulturlandschaft und
tragen wesentlich zur regionalen
Beschäftigung und Wertschöpfung
bei.
Umweltleistungen und Direktzahlungen
Eine wichtige Rolle spielen
dabei die Leistungen im
Rahmen des Agrarumweltprogramms
ÖPUL. Rund 85
Prozent der oberösterreichischen
Invekos-Betriebe nehmen
an zumindest einer Umweltmaßnahme
teil. Knapp
18.700 Betriebe bewirtschaften
dabei rund 350.000 Hektar
im Rahmen entsprechender
Umweltmaßnahmen.
Im Jahr 2025 wurden dafür
116,4 Mio. Euro ausbezahlt.
Auch die Ausgleichszulage für
benachteiligte Gebiete trägt
wesentlich zur Bewirtschaftung
und Einkommensstabilisierung
bei. Rund 14.400
Betriebe erhielten 2025 insgesamt
37,1 Mio. Euro. Zusätzlich
flossen über die Direktzahlungen
der Gemeinsamen Agrarpolitik
rund 122 Mio. Euro
an rund 21.700 Betriebe. Die
durchschnittliche Direktzahlung
lag bei etwa 5.600 Euro je
Betrieb.
Blick auf die GAP nach 2027
Mit dem Auslaufen der aktuellen
GAP-Periode Ende 2027
richtet sich der Blick bereits auf
die Gemeinsame Agrarpolitik
ab 2028. Nach Ansicht von Michaela
Langer-Weninger müsse
die künftige Agrarpolitik
Antworten auf Klimawandel,
Marktschwankungen, steigende
Produktionskosten und gesellschaftliche
Erwartungen
liefern. Dafür brauche es ausreichend
finanzielle Mittel und
praxistaugliche Instrumente.
Aus Befragungen leiten Politik
und Interessenvertretungen
fünf zentrale Anliegen für die
Zukunft ab: weniger Bürokratie,
faire Erzeugerpreise und
Einkommen, eine durchgängige
Herkunftskennzeichnung,
Kostensenkungen sowie die
Beibehaltung von Direktzahlungen
und Ausgleichsmaßnahmen.
Dürrejahr 2026 belastet Betriebe
Besonders prägend für das laufende
Jahr ist die extreme Trockenheit.
Die vergangenen
zwölf Monate waren österreichweit
die trockensten seit
Beginn der Messungen im Jahr
1850. Die Auswirkungen sind
auf Feldern und Wiesen deutlich
sichtbar: geringere Erträge,
Futterknappheit und zusätzliche
Kosten für viele Betriebe.
Die Österreichische Hagelversicherung
beziffert die landwirtschaftlichen
Schäden österreichweit
bereits auf rund
eine Mrd. Euro. Um die Betriebe zu unterstützen, wurde
auf Bundesebene ein Dürre-
Hilfspaket in Höhe von
240 Mio. Euro beschlossen.
Dieses umfasst Erleichterungen
bei Sozialversicherungsbeiträgen,
Verbesserungen bei
der Dürreversicherung sowie
Kredit- und Zinsstützungen.
Gleichzeitig gewinnt die Anpassung
an den Klimawandel
zunehmend an Bedeutung.
Maßnahmen zur Sicherung der
Wasserversorgung, die Wahl
trockentoleranter Sorten, technische
Innovationen sowie angepasste
Bewirtschaftungsstrategien
sollen die Widerstandsfähigkeit
der Betriebe stärken.
Auch in der Forstwirtschaft
werden klimafitte Mischbestände
künftig eine noch größere
Rolle spielen.
30 Jahre EU-Mitgliedschaft
Anlässlich des 30-jährigen EUBeitritts
Österreichs zog WIFO-
Agrarökonom Franz Sinabell
eine Zwischenbilanz.
Trotz aller Herausforderungen
habe die Einbindung in den
europäischen Binnenmarkt
der österreichischen Landwirtschaft
neue Absatzmöglichkeiten
eröffnet. Gleichzeitig
hätten Agrarumweltprogramme
und Ausgleichszahlungen
geholfen, den
Strukturwandel abzufedern.
Sinabell verwies darauf, dass
Länder außerhalb der EU wie
die Schweiz oder Norwegen
ebenfalls mit ähnlichen strukturellen
Herausforderungen
konfrontiert seien, dort jedoch
deutlich höhere Lebensmittelpreise
und höhere staatliche
Stützungsleistungen erforderlich
seien. Insgesamt seien
die Rahmenbedingungen für
Landwirtschaft sowie Konsumentinnen
und Konsumenten
innerhalb der EU vorteilhaft.
Der Grüne Bericht OÖ 2026
macht deutlich: Die Land- und
Forstwirtschaft bleibt ein zentraler
Pfeiler für Versorgungssicherheit,
Umweltleistungen
und regionale Wirtschaftskraft.
Gleichzeitig zeigen Dürre,
Klimawandel und volatile
Märkte, dass stabile politische
Rahmenbedingungen und
wirksame Risikovorsorge künftig
noch wichtiger werden.
„Unsere Bäuerinnen und
Bauern arbeiten in einer Werkstatt
unter freiem Himmel.
Wenn über Wochen der Regen
ausbleibt, fehlt am Ende
nicht nur Ertrag auf dem Feld,
sondern auch Futter im Stall
und Einkommen am Hof. Genau
für solche Jahre braucht es
eine starke Risikovorsorge, damit
aus einer Wetterkrise nicht
eine Existenzkrise wird“, betont
Agrar-Landesrätin Michaela
Langer-Weninger.