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Fungizideinsatz im Winterweizen - Warndienst nützen

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17.04.2026 | von DI Hubert Köppl

Der Krankheitsdruck im Winterweizen war im Jahr 2025 sehr gering - ganz im Gegensatz zum Vorjahr, wo durch einen massiven Befall mit S.tritici die Fungizideinsätze hoch rentabel waren. In beiden Situationen bleibt es daher wichtig, die Bestände regelmäßig zu beobachten und mit Unterstützung des Warndienstes die richtigen Entscheidungen zu treffen.

In feuchten Jahren ist S.tritici die Hauptkrankheit.jpg © LK OÖ/Köppl
© LK OÖ/Köppl
In warmen Jahren dominiert Braunrost.jpg © LK OÖ/Köppl

Warndienst nutzen

Der Warndienst (www.warndienst.at) gibt mit den Prognosemodellen Informationen über die Entwicklungsmöglichkeiten der Krankheiten. Zusätzlich werden zu bestimmten Terminen (ES 31/32, 37/39, 45/61) auf ca. 80 Schlägen in Österreich die Krankheiten bonitiert und im Labor mittels PCR-Analyse die Krankheiten S.tritici, HTR-Blattdürre und Schneeschimmel (M.nivale) bestimmt. Dadurch wird unter Einbeziehung der eigenen Beobachtung mittels der Warndienst-Ergebnisse eine sehr gezielte Behandlung der Krankheiten möglich. Durch die lange Inkubationszeit z.B. von S. tritici kann das Vorhandensein des Pilzes schon lange vor dem Sichtbarwerden der Symptome festgestellt werden. Eine Behandlung der Krankheit bei deutlich sichtbarem Befall auf den ertragsrelevanten Blättern kann die Infektion nicht mehr stoppen. Trotzdem bleibt die eigene Beobachtung sehr wichtig, der Warndienst kann den Landwirt in seiner Entscheidung nur unterstützen. Hier kann man sich an den Bekämpfungsschwellen nach dem Weizenmodell Bayern orientieren .

In der Regel werden zur Bonitur eine gewisse Anzahl von Blättern aus entsprechenden Blattetagen herangezogen und beurteilt, manchmal werden die ganzen Pflanzen herangezogen.
S.tritici: 40% Befallshäufigkeit (das sind 12 von 30 Blättern)
        ES 31 bis 45 auf F-4 (5. Blatt von oben)
        ab ES 45 auf F-3

S.nodorum: 12% Befallshäufigkeit (das sind 4 von 30 Blättern)
        in ES 37/39 auf F-4 oder F-5
        in ES 41-49 auf F-3 oder F-4
        ab ES 51 auf F-3 oder F-2

Braunrost: 30% Befallshäufigkeit in ES 37-69 (Haupttrieb)

Gelbrost: 30% Befallshäufigkeit in ES 31-61 (bei nicht anfälligen Sorten, sonst bei Befallsbeginn) bzw. erste Nester im Bestand

Mehltau: 60% Befallshäufigkeit
        in ES 31 bis 39 auf der gesamten Pflanze
        in ES 41 bis 55 auf F-2
        ab ES 55 auf F-1

HTR (DTR) - vor ES 37 nur bei Vorfrucht Weizen wichtig: 10% Befallshäufigkeit
        in ES 37/39 auf F-4 oder F-5
        in ES 41 bis 49 auf F-3 oder F-4
        ab ES 51 auf F-2 oder F-2

Ährenfusarium (ES 55-69)
(höhere Gefahr bei Vorfrucht Mais, nicht wendende Bodenbearbeitung bei Vorfrucht Mais, anfällige Sorte, günstige Witterung) - Definition für günstige Witterung (ab BBCH 41 beobachten): • in den Stadien BBCH 41-65 mindestens 1 Regen ≥ 4 mm • dann an einem Tag Temperatur Ø ≥ 18 °C oder mehrere Tage Ø ≥ 16 °C • anschließend 2 Tage mit Temperatur Ø ≥ 17 °C und Regen ≥ 2 mm oder ≥ 3 Tage Regen oder Blattnässe)
Nicht angeführt ist hier Halmbruch, die Überschreiten der Schwellen ist nur mit einer Laboranalyse feststellbar.

In Österreich gibt das Prognosemodell auf www.warndienst.at dazu Auskunft.
Leider noch keine Schwellen gibt es für Schneeschimmel (Microdochium nivale), der ab ES 37/39 bei sehr feuchter und warmer Witterung auftritt.

Strategien für 2026

Der Weizenanbau im letzten Jahr erfolgte großteils im Oktober bei eher trockenen Bedingungen, die nachfolgende Witterung war in vielen Regionen durch langandauernden Nebel und kühle Temperaturen gekennzeichnet. Ende Oktober/Anfang November gesäte Bestände konnten sich im Herbst nicht mehr bestocken, im Winter gab es im Gegensatz zu den vergangenen Jahren auch keine Vegetation und im Frühjahr war es relativ trocken, sodass diese Weizen kein optimales Wurzelsystem entwickeln konnten und die Bestockung auch nicht optimal war. Der Krankheitsdruck in diesen Beständen ist sehr gering. In früh gesäten Beständen findet man auf den älteren Blättern zwar vereinzelt schwarze Pyknidien von S.tritici, durch das trockene Frühjahr gab es aber kaum optimale Ausbreitungsbedingungen.

Nach den Bonituren und Laboranalysen im Rahmen des Warndienstes kann dann eine gezielte Entscheidung über eine ev. notwendige Behandlung getroffen werden. Beispielsweise war 2025 Braunrost die dominierte Krankheit, diese kann man relativ kostengünstig behandeln, 2024 dominiererte S.tritici, hier gab es nur gute Erfolge mit starken Produkten. Die detaillierten Strategien sind auf lk-online nachlesbar.
Wirkstoffpalette resistenzvorbeugend ausnützen
Bei der Auswahl der Fungizide stehen zwar viele Produkte aber nur wenige Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Die stärkste Wirkung gegen S. tritici haben Carboxamide (SDHIs, FRAC 7) wie z.B. Ascra Xpro, Avastel-Pack, Elatus Era oder Revytrex. Alle sind kombiniert mit Triazolen (DMIs, FRAC 3) wie Prothioconazol und Mefentrifluconazol ("Revysol"). Auch das Produkt Univoq aus der völlig neuen Gruppe der Picolinamide (QiIs, FRAC 21) ist mit dem Triazol Prothioconazol kombiniert. Sind mehrere Behandlungen nötig, dann soll zwischen den triazolhältigen Produkten abgewechselt werden. Eine Übersicht über die Wirkstoffe und die Produkte gibt es in Tabelle 6.

Gegen strobilurine Wirkstoffe (QoIs, FRAC 11) ist v.a. Septoria resistent, ihre Bedeutung liegt in der guten Wirkung gegen Rostpilze, HTR (DTR) und ihren pflanzenphysiologischen Effekten bei Stressbedingungen für die Getreidepflanze.
 
Befallsorientiert behandeln
 Halmbruch spielt in der Regel nur bei getreideintensiver Fruchtfolge (über 60 %), feucht-kühler Witterung und hohem Stickstoffniveau eine Rolle. Der optimale Behandlungszeitpunkt ist um das 1- bis 2-Knotenstadium (ES 31/32). Informationen zur Infektionswahrscheinlichkeit gibt es auch im Warndienst. Sind die Bekämpfungsschwellen überschritten und Septoria ebenfalls bekämpfungswürdig, so steht z.B.: Verben (bei Halmbruchgefahr 0,8 bis 1,0 l/ha, bei S. tritici 0,7 bis 0,8 l/ha), Delaro Forte (1,5 l/ha) oder das seit letztem Jahr auf dem Markt befindliche Daxur (1,0 l/ha bei Halmbruch, sonst 0,75 l/ha in Spritzfolgen) zur Verfügung.

Eine breite Möglichkeit besteht auch mit Input Classic (1,0 l/ha). Die Kombination aus Unix (0,6 kg/ha) und dem Mehltauspezialisten Tern (0,5 l/ha) hat nur eine leichte Nebenwirkung gegen Septoria. Darüber hinaus haben auch z.B. Ascra Xpro, Input Xpro, Siltra Xpro oder Univoq eine Wirkung gegen Halmbruch, diese werden aber in der Regel je nach Infektionslage mit anderen Krankheiten erst um das Fahnenblattstadium eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt entwickeln die genannten Fungizide nur mehr eine Teilwirkung gegen Halmbruch, da die Produkte nur optimal an der Halmbasis wirken. Dominiert sehr früh hauptsächlich Septoria, so haben reine prothioconazolhältige Produkte (z.B. Pecari 300 EC, Protendo 300 EC, Joust, etc.) eine gute Wirkung. Die Behandlung im Fahnenblatt kann dann mit einem revysolhältigen Fungizid (z.B. Revytrex, Balaya) erfolgen.

Ist kein früher Befall mit z.B. S. tritici festzustellen, dann wird in den meisten Fällen eine Fungizidbehandlung um das Fahnenblattstadium durchgeführt – hier kann man sich nach dem Warndienst und den eigenen Beobachtungen orientieren.

Die heilende Wirkung der besten Fungizide (Carboxamid-Azol-Kombinationen wie z.B. Ascra Xpro, Avastel-Pack, Elatus Era, Input Xpro, Revytrx) oder Univoq beträgt je nach Potential und Aufwandmenge nur 5 bis 8 Tage. Bei frühem Befall und entsprechenden Warnhinweisen kann eine Behandlung bereits um das Spitzen des Fahnenblattes (ES 37) notwendig werden - bei einer geplanten Einmalbehandlung sind die vollen Aufwandmengen der vorhin genannten Produkte erforderlich, um die ertragsrelevanten Blattetagen (F, F-1, F-2) zu schützen. Die genannten Kombinationen erfassen auch Braunrost und haben eine Teilwirkung gegen Mehltau und je nach Produkt auch gegen HTR-Blattdürre.

Ist eine Behandlung gegen Ährenfusariosen geplant, können die Aufwandmengen auf ca. 75% gesenkt werden. Möglichkeiten im Fahnenblatt bestehen auch noch mit strobilurinhältigen Kombinationen wie Balaya oder Delaro Forte. Tritt nur Braunrost auf, haben kostengünstige Azolwirkstoffe (z.B. Tebuconazol, Metconazol) auch eine gute Wirkung. Bei frühem Gelbrostbefall zeigen z.B. Fungizide auf Tebuconazolbasis gute Wirkung. Auch Zantara oder Adexar Top haben sich in solchen Fällen in der Praxis bewährt, Versuche in Niederösterreich mit Amistar Gold (1 l/ha) zeigten ebenfalls gut Erfolge.
 
In veredlungsintensiven Gebieten ist vielfach Mais die Vorfrucht vor Getreide. Bei passender Witterung (warme Temperaturen und Niederschläge in der Blüte) spielen vor allem Ährenfusriosen eine Rolle, wenn zum Zeitpunkt der Blüte noch Maisreste an der Erdoberfläche liegen.

Hier ermöglicht eine gezielte Behandlung in der Vollblüte mit starken Azolfungiziden (Prosaro, Sirena/Caramba, Magnello, etc.) bzw. mit Siltra Xpro oder Delaro Forte eine Reduktion (50 bis 75 % Wirkung) des Mykotoxingehaltes (DON, ZEA). Magnello hat mit den Wirkstoffen Difenoconazol und Tebuconazol andere Triazolkomponenten als viele Produkte, die bereits in T1- (ES 31/32) oder T2 (ES 37/39) eingesetzt wurden. Diese Produkte erfassen auch Braunrost.

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