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Die Bäuerin: „Sie pflegt, wovon der Tourismus lebt"

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11.08.2026 | von Petra Weilguny Johanna Stummer

Marie Hödlmoser und viele andere Bauernfamilien erhalten die Kulturlandschaft rund um St. Wolfgang, machen bäuerliche Arbeit für Gäste erlebbar und sichern mit Urlaub am Bauernhof die Zukunft ihres Betriebes.

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Bäuerinnen und Bauern pflegen, was Gäste lieben: Marie Hödlmoser betreibt mit ihrer Familie den Grafbauer-Hof. © Gmundner Molkerei / Sandra Weishäupl
Viele Wiesen, gepflegte Almen und freie Ausblicke auf die Bergwelt prägen die Wolfgangseeregion. Was für Gäste wie eine selbstverständliche Urlaubskulisse wirkt, ist das Ergebnis täglicher bäuerlicher Arbeit. Marie Hödlmoser vom Grafbauer-Hof in St. Wolfgang zeigt, wie eng Landwirtschaft, Kulturlandschaft und Tourismus miteinander verbunden sind. Marie Hödlmoser ist nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen. Erst als sie ihren Mann Georg kennenlernte, kam sie nach und nach mit der Landwirtschaft in Berührung. Sie half bei verschiedenen Arbeiten mit und entwickelte mit der Zeit eine eigene Vorstellung davon, wie sich der Grafbauer-Hof weiterentwickeln könnte.

Heute bezeichnet sie den Hof als ihr Lebensprojekt. Bäuerin zu sein bedeutet für sie Verantwortung – für die Tiere, die Böden, den Wald, den alten Hof und die Menschen, die dort zu Gast sind. Gleichzeitig verbindet sie mit der Landwirtschaft auch Freiheit: Sie kann ihren Alltag selbst gestalten, neue Betriebszweige entwickeln und Beruf und Familie miteinander verbinden. Der Beruf der Bäuerin steht für sie auch für Respekt und Anerkennung. Viele Bäuerinnen sind heute bestens ausgebildet, haben zusätzliche Qualifikationen erworben und sind – wie sie selbst – bewusst als Quereinsteigerinnen in die Landwirtschaft gegangen. Weniger als zwei Prozent der österreichischen Bevölkerung sind Bäuerinnen, es erfüllt sie mit Stolz dazu zu gehören.

Keine Urlaubskulisse ohne Landwirtschaft

Für Marie Hödlmoser steht fest: Ohne aktive Landwirtschaft wäre die Wolfgangseeregion touristisch nicht in derselben Weise erlebbar. Bauernfamilien bewirtschaften Wiesen und Almen, pflegen Wege und Feldränder, halten Weideflächen offen und bewahren damit das typische Landschaftsbild der Region. Viele von ihnen bewirtschaften zudem Almhütten und machen bäuerliche Kultur sowie regionale Produkte für Gäste unmittelbar erlebbar. Hinter dieser gepflegten Kulturlandschaft steckt viel Arbeit. Gerade auf steilen und schwer zugänglichen Flächen ist trotz moderner Technik noch immer viel Handarbeit notwendig. Wer verstehen möchte, wie aufwendig die Bewirtschaftung ist, müsste Marie einen Tag lang auf das steilste Feld ihres Hofes begleiten.

Dort würde sie nicht viel erklären, sondern den Gast einfach mitarbeiten lassen: Gras mähen, trocknen, händisch zusammenrechen, in den Heustadel bringen und schließlich an die Tiere verfüttern. Auch das Weidemanagement erfordert täglichen Einsatz. Im Herbst werden Zäune laufend versetzt, damit die Flächen gleichmäßig abgegrast und gedüngt werden. Auf den Almen verhindern regelmäßiges Schwenden und die Beweidung, dass Büsche und junge Bäume die Weideflächen überwuchern. Die Kühe übernehmen damit einen wichtigen Teil der Landschaftspflege. Ohne diese Bewirtschaftung würden Wiesen und Almen zunehmend verbuschen und langfristig wieder zu Wald werden. „Die schöne Landschaft darf nicht als selbstverständlich angesehen werden“, betont Hödlmoser.

Es sei ihr besonders wichtig, nicht nur die idyllische Seite zu zeigen, sondern auch die Arbeit dahinter sichtbar zu machen. Die Erhaltung der Landschaft sei zeitaufwendig, körperlich anstrengend und mit erheblichen Kosten verbunden. Gerade Social Media sieht sie hier als große Chance: Viele Gäste folgen den Betrieben auf Plattformen wie Instagram und erhalten so laufend Einblicke in den bäuerlichen Alltag – sie sehen, was hinter der schönen Kulisse steckt und womit sich die Familien tagtäglich beschäftigen.

Landwirtschaft und Tourismus brauchen einander

Gerade der Tourismus profitiert von offenen Almflächen, gepflegten Wanderwegen und dem bäuerlich geprägten Erscheinungsbild der Region. Umgekehrt profitieren auch die landwirtschaftlichen Betriebe vom Tourismus: von den vielfältigen Angeboten rund um den Wolfgangsee, von der Nachfrage nach regionalen Produkten und von Gästen, die bewusst Urlaub auf einem bewirtschafteten Bauernhof machen möchten. Landwirtschaft und Tourismus sind daher eng miteinander verbunden und aufeinander angewiesen. Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt und klare Kommunikation.

Immer wieder wird Müll in Wiesen zurückgelassen, werden Abkürzungen durch hohes Gras genommen oder landwirtschaftliche Flächen mit Fahrrädern und Autos befahren. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass diese Wiesen die Futtergrundlage der Tiere sind. „Die Wiesen sind die Nahrung unserer Kühe“, erklärt die Bäuerin. Gäste sollten deshalb auf den Wegen bleiben und nichts auf den Flächen zurücklassen. Auch bei Begegnungen mit Weidetieren ist Eigenverantwortung gefragt: Kühe auf der Alm sind keine Streicheltiere, sondern Nutztiere, denen mit ausreichend Abstand, Ruhe und Hausverstand begegnet werden sollte.

Bäuerin und Gastgeberin aus Überzeugung

Seit 2023 vermietet Marie Hödlmoser auf dem Grafbauer-Hof. Mit diesem zusätzlichen Betriebszweig konnte die Familie den Hof zum Vollerwerbsbetrieb weiterentwickeln und zugleich in seine Zukunft investieren. Urlaub am Bauernhof bedeutet für Marie weit mehr als die Bereitstellung einer Unterkunft. Gäste können den bäuerlichen Alltag miterleben, Traditionen kennenlernen, regionale Produkte probieren und erfahren, wie viel Arbeit hinter einem landwirtschaftlichen Betrieb steckt.

Dabei hat sich auch die Gästestruktur verändert: Urlaub am Bauernhof ist längst nicht mehr nur für Familien mit Kindern interessant, sondern zunehmend auch für Paare. Individuelle Angebote wie ein liebevoll gestaltetes Frühstück sind für viele Gäste zu einem wichtigen Thema geworden, ebenso wie flexible Möglichkeiten zur Selbstversorgung. Der Anspruch der Gäste verändert sich stetig und darauf müsse man reagieren, indem man sich laufend weiterentwickelt und neue Ideen umsetzt. Aktuell spürt Marie einen starken Trend zugunsten der bäuerlichen Vermietung. Während viele hochpreisige Hotels in der Region um Gäste werben, sind ihre Studios oft schnell ausgebucht. Viele Menschen suchen gezielt nach familiären Betrieben, die Komfort, Authentizität und persönliche Betreuung verbinden. Gleichzeitig bieten sie die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen und den Urlaub individuell zu gestalten.

Besonders motivierend sind für sie die kleinen Momente im Alltag: Etwa wenn sie abends im Bett liegt und sieht, dass eine neue Bewertung eingegangen ist und Gäste ihre Zufriedenheit ausdrücken. „Genau deshalb mache ich das“, sagt sie. Solche Rückmeldungen machen sie stolz und geben ihr die Motivation, ihren Weg weiterzugehen. Gerade deshalb sieht sich Marie auch als Botschafterin ihres Berufsstandes. Wer einige Tage auf einem Bauernhof verbringt, erlebt Landwirtschaft nicht nur über Schlagzeilen oder soziale Medien, sondern unmittelbar. Gäste sehen, dass jeder Tag anders verläuft, wie Stallarbeit, Familie, Landschaftspflege und Gästebetreuung ineinandergreifen und wie viel Verantwortung hinter der gepflegten Urlaubskulisse steckt.

Was es für eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus braucht, bringt Marie Hödlmoser auf einen einfachen Nenner: Gegenseitigen Respekt und Wertschätzung. Denn Bäuerinnen und Bauern erhalten nicht nur ihre eigene wirtschaftliche Lebensgrundlage. Mit ihrer täglichen Arbeit bewahren sie zugleich jene Kulturlandschaft, von der eine ganze Tourismusregion lebt.

Veranstaltungstipp

Die Sommernacht in St. Wolfgang am 17. August, ab 18 Uhr gestaltet unter anderem Marie Hödlmoser mit.
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