Bäuerliche Wildtierhaltung: Nachfrage steigt, drohendes Sikawild-Verbot sorgt für Unsicherheit
Regional, saisonal und hochwertig: Im Herbst kommt traditionell frisches Wildfleisch aus heimischen Wäldern und bäuerlichen Gehegen auf den Teller. Für viele Landwirte und Direktvermarkter ist ab sofort die ideale Zeit, hochwertiges Wildfleisch aus der Region anzubieten. Wildfleisch überzeugt nicht nur durch seinen besonderen Geschmack, sondern steht auch für eine natürliche und saisonale Ernährung. In Oberösterreich sind über 600 bäuerliche Familienbetriebe mit ca. 14.000 Stück Farmwild registriert und das Fleisch, das diese Bäuerinnen und Bauern produzieren und vorwiegend im Wege der Direktvermarktung verkaufen, wird immer beliebter. Die Durchschnittsgröße der Gehege liegt bei ca. drei Hektar je Betrieb. Sorgen bereitet den bäuerlichen Wildproduzenten allerdings derzeit die unsichere Situation beim Sikawild, das als invasive Art eingestuft wurde.
„Viele Nebenerwerbsbetriebe, in denen heute noch Milchkühe gehalten werden, stellen sich die Frage nach einem Umstieg in andere, weniger arbeitsintensive Formen der Grünlandnutzung. Das Fleisch der Wildtiere ist von bester Qualität aufgrund der naturnahen ganzjährigen Freilandhaltung und überwiegend natürlicher Äsung“, erklärt der Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, Franz Waldenberger.
Sikawildverbot bedroht Existenzgrundlage für viele Betriebe
Das Sikawild kommt in verschiedenen Varianten und Größen vor und hat seine Ursprünge in China und Japan. Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass das Sikawild weiter im landwirtschaftlichen Gehege gehalten werden darf, da es mit August 2025 von der EU als invasive Art eingestuft wurde und demnach ab August 2027 nicht mehr gehalten werden dürfte.
„Die Einstufung und die Argumente der EU-Kommission für ein Verbot von Sikawild sind schlicht nicht nachvollziehbar. Es braucht eine praxisnahe Ausnahmeregelung, um die Existenzgrundlage für viele Betriebe zu erhalten“, fordert Präsident Waldenberger. In Oberösterreich wären von dem Verbot etwa 60 bäuerliche Betriebe betroffen, für die das Aus der Sikawildhaltung nicht nur große wirtschaftliche, sondern auch emotionale Auswirkungen hätte.