Bezirksbauernkammer Schärding: Unternehmerisches Denken wird immer wichtiger
Was zeichnet die Landwirtschaft im Bezirk Schärding aus?
Der Bezirk Schärding ist durch seine Lage zwischen Inn und Donau sowie durch seine Vielfalt geprägt. Während im Sauwald die Milchproduktion und der Erdäpfel-
anbau dominieren, finden wir im südlichen Bezirksgebiet hochprofessionelle Ackerbaubetriebe. Diese unterschiedlichen Produktionsbedingungen schaffen eine außergewöhnliche Vielfalt. Besonders stolz sind wir auf erfolgreiche Initiativen wie die Sauwald-
erdäpfel, das Kürbis-
kernölprojekt „pramoleum“ oder den Baum-
kronenweg, die wesentlich zur regionalen Wertschöpfung beitragen. Auch die
Direktvermarktung entwickelt sich sehr positiv. Viele Betriebe vermarkten ihre hochwertigen Produkte direkt ab Hof oder über digitale Vertriebskanäle.
Welche Themen beschäftigen die Bäuerinnen und Bauern derzeit besonders?
Viele Betriebe stehen vor der Herausforderung, dass die Erzeugerpreise starken Schwankungen unterliegen, während die Kosten für Energie, Betriebsmittel und Dienstleistungen kontinuierlich steigen. Gleichzeitig nimmt der bürokratische Aufwand stetig zu. Trotz regelmäßiger Forderungen nach
Bürokratieabbau spüren die Betriebe davon in der Praxis noch zu wenig. Mir ist wichtig, dass wir Probleme sachlich und lösungsorientiert angehen. Reißerische Schlagzeilen oder ständiges Jammern bringen uns nicht weiter. Vielmehr braucht es fundierte Lösungen und eine starke Interessenvertretung. Dabei leisten die Ortsbauernausschüsse
und Gemeindejagdvorstände wertvolle Arbeit, weil in den Gemeinden landwirtschaftliche Anliegen direkt eingebracht und vertreten werden können.
Gibt es Hausaufgaben für die Betriebe?
Unternehmerisches Denken wird immer wichtiger. Jeder Betrieb sollte seine betriebswirtschaftlichen Kennzahlen kennen und regelmäßig analysieren. Nur so können fundierte Entscheidungen getroffen werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Risikomanagement. Wetterextreme, Ernteausfälle oder der Ausfall wichtiger Arbeitskräfte können Betriebe
erheblich belasten. Deshalb sollten zumindest existenzielle Risiken durch geeignete Versicherungen abgesichert werden. Bei größeren Investitionen empfehle ich das Angebot der Landwirtschaftskammer, Betriebskonzepte mit unterschiedlichen Zukunftsszenarien in einem Stresstest durchzuspielen und Vorhaben auf ihre finanzielle und arbeitswirtschaftliche Tragfähigkeit zu prüfen.
Wie unterstützt die Landwirtschaftskammer?
Die Landwirtschaftskammer begleitet die Bäuerinnen und Bauern mit einem breiten Angebot an Bildung, Beratung und Interessenvertretung. Unsere Fachkompetenz fließt von der Bezirks- bis zur Bundesebene in politische und fachliche Entscheidungsprozesse ein. Besonders wichtig ist uns, Regelungen verständlich und praxisgerecht zu gestalten. Das zeigt sich etwa bei Diskussionen über Wildschäden oder den Umgang mit geschützten Tierarten. Die hohe Zufriedenheit unserer Mitglieder bestätigt, dass unsere Dienstleistungen den Bedürfnissen der Betriebe entsprechen.
Wo siehst du die Schwerpunkte der Kammer in den kommenden Jahren?
Die Verfügbarkeit von Grund und Boden wird weiterhin ein zentrales Thema bleiben. Gleichzeitig beobachten wir eine zunehmende Beschleunigung von Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren. Dabei darf nicht übersehen werden, dass Eigentümerinteressen ausreichend berücksichtigt werden müssen. Für die kommenden Jahre wird daher eine starke
regionale Rechts- und Fachberatung gefordert sein.
Zur Person
Franz Höller, BBK-Obmann, Bezirk Schärding
- Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen im Alter von 14 bis 25 Jahren
- Milchviehbetrieb im Vollerwerb mit Melkroboter
- enge Zusammenarbeit mit dem FIH und der Rinderbörse
- BBK Obmann seit 2024
- Mitglied in der Grundverkehrsbehörde
- Mitglied im Gemeinderat, Umweltausschuss und Jagdausschuss
- Obmann-Stv. des Innviertler Vortragszirkels
- Obmann-Stv. der Mahl- und Mischgemeinschaft Pramtal