Bezirk Ried: „Landwirtschaft ist ein wichtiges Fundament für den Bezirk Ried“
Was verbindest du mit der Landwirtschaft im Bezirk Ried?
Im südlichen Teil dominiert die Futterverwertung über die Rinderhaltung, nach Norden hin nimmt der Ackerbau auf Böden mit hoher Bonität zu. Neben der klassischen Direktvermarktung und Urlaub am Bauernhof gibt es viele Angebote rund um das Pferd. Gemeinsame Vermarktungsinitiativen wie bei Brennholz und Waldhackgut steigern die Wertschöpfung. Unsere Betriebe sind echte Vorreiter im Energiebereich und nutzen Digitalisierung, Drohnen und KI.
Wofür stehen die Menschen, die in der Rieder Landwirtschaft tätig sind?
Ich treffe täglich auf eine junge, hochmotivierte Generation mit starkem unternehmerischem Denken, die Traditionen mit Innovationen verbindet. Eine gute Ausbildung bildet die Grundlage für arbeits- und betriebswirtschaftlich funktionierende Betriebskonzepte. Das lebenslange Lernen fängt nach der Schulzeit erst an – sei es durch die Meisterausbildung oder das Bildungsangebot der Landwirtschaftskammer. Unsere Bäuerinnen und Bauern zeichnet außerdem ein hohes gesellschaftliches Engagement aus.
Das Beständigste ist der Wandel. Mit welchen Strategien begegnen die Betriebe und die Kammer den täglichen Herausforderungen?
Unsere Standeskolleginnen und -kollegen sind geradlinige Menschen. Sie leisten ehrliche Arbeit und erwarten einen fairen Anteil an der Wertschöpfungskette. Aktuell kämpfen sie mit der Kluft zwischen stagnierenden Erzeugerpreisen und steigenden Produktionskosten, mit Bürokratie, Wetter-
extremen, Eigentumseingriffen bis hin zur Enteignungsandrohung zur Umsetzung von Projekten und mit dem Strukturwandel. Unternehmerische Entscheidungen treffen sie in unserer fordernden Zeit unter Einbeziehung eigener finanztechnischer Aufzeichnungen und nicht im Blindflug. Wir als Kammer stehen als verlässlicher Partner an ihrer Seite.
Mit der Fusion der Dienstellen Ried und Schärding 2017 und der Übernahme der Leitung der Dienststelle Braunau ab 2025 leistete unsere Region einen wichtigen Beitrag zum stabil gebliebenen Kammerbudget. Der Ausbau regionaler spezialisierter Beratungsangebote wie zum Beispiel seit einem Jahr im Rechtsbereich im Innviertel ermöglicht unseren Mitgliedern auch zukünftig den breiten Zugang zu rechtlichen Beratungsangeboten. Zukünftig sind wir gefordert, in die Kammerarbeit den technischen Fortschritt einzubeziehen, wobei digitale Innovationspotentiale zur Reduktion der bürokratischen Belastung auch bei Planungen zukünftiger Ausgleichszahlungsprogramme berücksichtigt werden sollten.
Wie profitieren die Mitgliedsbetriebe konkret von dieser Struktur?
Kundenumfragen attestieren unseren Bildungs- und Beratungsangeboten eine hohe Zufriedenheit und Praxisorientierung. Jeder investierte Euro erzielt die bestmögliche Wertschöpfung für unsere Mitglieder. Wir sehen uns auch als starkes Bindeglied zu Behörden. Anlässlich von Eigentumseingriffen unterstützen wir unsere Mitglieder bei ihren Entscheidungen. Die Kammer beschließt zwar keine Gesetze, betreibt aber wirksames Lobbying für die Land- und Forstwirtschaft. Durch anerkannte Fachexpertise werden praxisfremden Begutachtungsentwürfen im Gesetzwerdungsprozess regelmäßig „Giftzähne“ gezogen. Ich rufe unsere Mitglieder auf, sich zu unseren zahlreichen Unterstützungsangeboten online oder in der Bezirksbauernkammer zu informieren.
Wir wollen die Landwirtschaft bei der Orientierung im Wandel bestens unterstützen.
Zur Person
Ing. Christoph Schneiderbauer, BBK-Obmann, Bezirk Ried
- verheiratet mit Anita, Vater von drei Söhnen, Mehrgenerationenhaus und gemeinsame Betriebsführung im Vollerwerb seit 2008
- Rindermast im AMA Gütesiegel mit 140 Mastplätzen
- Bezirksbauernkammerobmann seit 2023
- Mitglied/Beirat LfL-Klassifizierungsausschuss und ÖFK (Österreichische Fleischkontrolle) für den Bereich Rinder; Funktionär in der RMG-Rindermästergemeinschaft der Rinderbörse
- Vizebürgermeister in Pattigham seit 2021