Bürokratie bewältigen: Was im Alltag wirklich belastet
Vor diesem Hintergrund analysiert
die Studie „Bürokratie
fassbar machen“, welche konkreten
bürokratischen Tätigkeiten
in unterschiedlichen
landwirtschaftlichen Betriebsformen
in Österreich anfallen
und mit welchen Herausforderungen,
aber auch Mehrwerten
diese verbunden sind.
Im Zentrum der Untersuchung
stehen zwölf Fallstudien,
in denen Landwirtinnen
und Landwirte ihre Erfahrungen
mit bürokratischen Anforderungen
schildern. Berücksichtigt
wurden Tätigkeiten
wie das Führen verpflichtender
Aufzeichnungen, das Ausfüllen
von Förderanträgen
oder die Teilnahme an vorgeschriebenen
Schulungen. Diese
Pflichten ergeben sich aus
gesetzlichen Vorgaben, aus
der Teilnahme an freiwilligen
staatlichen Programmen
(z. B. im Rahmen der Gemeinsamen
Agrarpolitik oder von
Länderprogrammen) sowie
aus freiwilligen privatwirtschaftlichen
Qualitäts- und
Herkunftsstandards (etwa Gütesiegel
oder Programme von
Molkereien). Nicht einbezogen
wurden interne, freiwillige
Aufzeichnungen sowie nicht
landwirtschaftsspezifische bürokratische
Tätigkeiten wie
Steuer- oder Baurecht.
Bäuerinnen und Bauern
schätzten den jährlichen Zeitaufwand
für diese Tätigkeiten
auf zwischen 36 und 135 Stunden.
Das entspricht etwa fünf
bis siebzehn Arbeitstagen pro
Jahr. Dabei zeigt sich: Die bürokratische
Belastung unterscheidet
sich deutlich nach
Betriebsform, Vermarktungswege
und nach den jeweiligen
Betriebsleitertypen. Besonders
stark betroffen sind diversifizierte
Betriebe, Betriebe im
Aufbau neuer Standbeine sowie
AMAG.A.P.-Betriebe. Auch
biologische Betriebe und jene,
die an mehreren Programmen
und Standards teilnehmen, berichten
von einer erhöhten Belastung.
Entscheidend ist dabei jedoch
nicht allein der Zeitaufwand.
Als besonders belastend
werden die Vielzahl an
Einzelanforderungen, deren
Überschneidungen sowie die
fehlende Abstimmung zwischen
Programmen genannt.
In stark diversifizierten Betrieben
summieren sich die Vorgaben:
„Wenn du Ziegen, Schafe,
Rinder, Schweine, Milch, Käse
und Urlaub am Bauernhof
hast, dann gibt es überall eine
Grundbürokratie – in Summe
bläht das den Apparat enorm
auf“, bringt es ein Landwirt auf
den Punkt. Der Wegfall einzelner
Auflagen reicht daher nach
Ansicht vieler Interviewten
nicht aus – entscheidend ist
die Gesamtheit der Anforderungen.
Gleichzeitig betonen viele
die entlastende Wirkung von
Beratung, gutem Kontakt zu
Beraterinnen und Beratern sowie
der Unterstützung durch
Erzeugergemeinschaften und
Verbände. Auch der Austausch
mit Berufskollegen hilft, bürokratische
Anforderungen besser
zu bewältigen.
Alle Hintergründe und Ergebnisse
finden Sie in der vollständigen
Studie: BÜROKRATIE: Bürokratie fassbar machen – Fallstudien-Analysen zur Bürokratie auf landwirtschaftlichen Betrieben in Österreich - BMLUK DaFNE