Auch Gastgeber brauchen Urlaub
Wer anderen Menschen Urlaub ermöglicht, darf selbst auch Urlaub brauchen. Eine Auszeit ist kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern von Verantwortung – gegenüber sich selbst, der Familie und langfristig auch gegenüber dem Betrieb. Denn nur wer Kraft schöpft, kann mit Freude Gastgeberin, Bäuerin und Familienmensch bleiben.
Urlaub am Bauernhof-Bäuerin Regina Stadler aus Oberkappl teilt ihre Erfahrungen und hat wertvolle Tipps dazu.
Auszeit ist kein Luxus
Urlaub am Bauernhof bedeutet für Gäste Erholung, Abstand vom Alltag und neue Kraft. Doch auch jene, die diesen Urlaub ermöglichen, brauchen selbst Zeiten zum Durchatmen. Gerade Bäuerinnen und Vermieterinnen stehen das ganze Jahr über in Verantwortung: für Familie, Tiere, Landwirtschaft, Gäste und Haushalt. Sich dennoch bewusst Urlaub zu gönnen, ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Beitrag zur körperlichen und mentalen Gesundheit – und damit auch zur Zukunft des Hofes.
„Bauern steht Erholung zu“, sagt Regina überzeugt. Für sie steigert schon die Vorfreude auf ein paar freie Tage die Lebenszufriedenheit und hilft durch arbeitsintensive Zeiten. Urlaub ist für sie Familienzeit, Paarzeit und ein Tapetenwechsel, der zuhause oft nicht möglich ist, weil der Hofalltag immer präsent bleibt. Dass Auszeiten am Hof möglich sind, haben in ihrem Fall schon die Schwiegereltern vorgelebt: Auch sie haben sich, unterstützt durch Familie oder Maschinenring, immer wieder ein paar Tage Urlaub mit den Kindern ermöglicht. Diese Haltung hat geprägt – und sie möchte sie auch an die nächste Generation weitergeben.
Urlaub, wie er zum Hof passt
Wie Urlaub möglich ist, hängt stark von der jeweiligen betrieblichen und familiären Situation ab. Am Anfang waren es oft nur zwei oder drei Tage, spontan nach Arbeitsspitzen wie Silage- oder Heuarbeit. Später waren Tages- und Halbtagesausflüge über den Sommer verteilt eine gute Lösung: Stallarbeit in der Früh und am Abend, dazwischen gemeinsame Familienzeit. Auch solche kleinen Auszeiten bleiben in guter Erinnerung und können echte Erholung bringen.
Mit der Zeit verändert sich die Urlaubsform. Als die Kinder älter wurden, konnten sie mithelfen. Die älteren Kinder übernahmen Aufgaben am Hof, während mit den jüngeren Kindern ein paar Tage Familienurlaub möglich waren. Heute fahren mein Mann und ich auch einmal im Jahr alleine weg, unterstützt von der Jugend am Hof. Wichtig ist: Urlaub muss nicht immer eine lange Reise sein. Auch ein Wellnesswochenende im Winter, eine Städtereise im Frühling oder ein Wanderurlaub nach der Ernte können gut in den Jahreslauf passen.
Gut vorbereitet läuft es leichter
Damit Urlaub gelingen kann, braucht es klare Organisation. Hilfreich sind schriftliche Abläufe für Stallarbeit, Gästebetreuung und wichtige Telefonnummern – etwa von Elektriker, Mechaniker oder Tierarzt. Auch der Maschinenring bietet dafür Vorlagen an. Am besten funktioniert es, wenn eine vertraute Person am Hof ist, die den Hausbrauch kennt.
Manches lässt sich gut vorbereiten: Wäsche, Hofprodukte, Frühstücksorganisation, Gästeinformationen oder klare Zuständigkeiten. In einem Sommer unterstützte eine gut eingeschulte Praktikantin die Schwiegereltern bei Frühstück, Wäsche, Gästebetreuung und Stallarbeit. Auch Geschwister, Nachbarn, Bekannte oder künftige Hofübernehmer können wertvolle Urlaubsvertretungen sein. Oft lohnt sich der Blick ins eigene Umfeld: Wer kennt den Hof, wer könnte einzelne Aufgaben übernehmen, und welche Form der Vertretung passt zum Betrieb?
Vertrauen statt Perfektion
Oft ist nicht die Organisation die größte Hürde, sondern das Loslassen im Kopf. Wer für Tiere, Gäste und Betrieb verantwortlich ist, möchte sicher sein, dass alles gut weiterläuft. Kurze Auszeiten helfen, Vertrauen aufzubauen. Dabei darf auch einmal etwas anders laufen als gewohnt. Kleine Fehler oder wirtschaftliche Einbußen wiegen oft weniger schwer als der Gewinn, den Erholung bringt.
Gleichzeitig lernen junge Menschen Verantwortung zu übernehmen. Wenn potenzielle Hofnachfolger in Urlaubs-
zeiten Aufgaben übernehmen, ist das auch ein Stück gelebte Hofübergabe. Verantwortung wächst durch Vertrauen.
Gäste haben Verständnis
Auch Gäste sehen es meist positiv, wenn die Gastgeberfamilie einmal Urlaub macht. Für viele ist Urlaub mehrmals im Jahr selbstverständlich – warum also nicht auch für die Menschen am Bauernhof? Stammgäste zeigen oft Verständnis, wünschen gute Erholung und erzählen danach begeistert, was Großeltern, Kinder oder Vertretungen am Hof alles möglich gemacht haben.
Dazu kommt: Wer selbst reist, darf auch wieder Gast sein. Viele Urlaub-am-Bauernhof-Familien nehmen von ihren eigenen Auszeiten neue Ideen mit nach Hause – sei es für die Gästebetreuung, das Frühstück, kleine Aufmerksamkeiten oder die Gestaltung von Aufenthaltsbereichen. Urlaub kann damit auch eine besondere Form der Weiterbildung sein.
Die wichtigste Botschaft an andere Urlaub-am-Bauernhof-Betriebe lautet daher: Nicht zuerst fragen, warum es nicht geht, sondern überlegen, wie es gehen könnte. Welche Modelle gibt es im Umfeld? Welche Zeit passt zum Betrieb? Wer könnte unterstützen?
Eine Bäuerin, die gut auf sich schaut, kommt mit neuer Energie, mehr Gelassenheit und oft auch mit neuen Ideen zurück. Denn manchmal entstehen die besten Impulse für den eigenen Hof gerade dann, wenn man selbst einmal Gast sein darf.
Betriebsspiegel Biohof Stadler
Urlaub am Bauernhofangebot
- Biobauernhof
- Baby- und Kinderbauernhof
- 4 Blumen Familienzimmer und Ferienwohnungen
- Gemeinsame Stallarbeit
- Kinderwerkstatt
- Gemeinsame Traktorfahrt
- Zwergenwald
- Waldabenteuerweg
- Bioschatzsuche
- 22 Hektar Wald
- 9,8 Hektar Acker
- 16 Hektar Wiesen
- 25 Milchkühe + Nachzucht
- 2 Ponys, 2 Hasen, 5 Katzen, 10 Hühner, 1 Hahn