Arbeitsplatz Alm: Zwischen Dürre und Idylle
Oberösterreichs Almen sind
weit mehr als beliebte Ausflugsziele
und touristische Kulissen.
Sie sind Arbeitsplätze, landwirtschaftliche
Produktionsflächen
und ein zentraler Bestandteil vieler
bäuerlicher Familienbetriebe.
Almbäuerinnen und Almbauern
betreuen dort ihre Tiere, pflegen
Weideflächen, errichten und erhalten
Zäune, halten Wege frei
und sichern damit jene Kulturlandschaft,
die gleichzeitig auch
die Grundlage für den Tourismus
in den Bergregionen bildet.
Trockenheit trifft die Alm doppelt
Die aktuelle Trockenheit verschärft
die ohnehin herausfordernden
Bedingungen. Das Problem
ist dabei zweifach: Einerseits
fehlt Wasser unmittelbar für
die Tiere, andererseits wächst auf
ausgetrockneten Flächen weniger
Futter nach. Wird das Futter auf
der Alm knapp, müssen Tiere früher
auf die Heimbetriebe zurückkehren.
Anfang August wurden in
Oberösterreich bereits erste Tiere
früher als üblich ins Tal gebracht,
weil das Gras nicht mehr ausreichend
nachwächst und Quellen
zunehmend weniger Wasser führen.
Gleichzeitig fehlen vielerorts
auch dort bereits Futterreserven
für Herbst und Winter. Die Trockenheit
betrifft damit die gesamte
betriebliche Futtergrundlage.
Alm als Teil des gesamten bäuerlichen Betriebes
Wie eng Alm und Heimbetrieb
miteinander verbunden sind,
zeigt das Beispiel der Familie Eisenführer
aus Maria Neustift, wo
eine Delegation rund um Agrarlandesrätin
Michaela Langer-
Weninger vor kurzem Einblicke
in den Betrieb gewinnen
durfte. Der Milchviehbetrieb
nutzt die Freithofbergalm
als Weide für Jungrinder. Dadurch
werden Flächen am Hof
entlastet und zusätzliche Futterressourcen
geschaffen. Gleichzeitig
bildet die Direktvermarktung
eigener Produkte ein weiteres
Standbein. Die Almwirtschaft ist
damit kein isolierter Bereich, sondern
Teil eines umfassenden Betriebskonzepts.
Nur bewirtschaftete Almen bleiben offene Almen
Eine langfristige Herausforderung
stellt die Offenhaltung der
Almflächen dar. Sinkende Tierzahlen
und weniger auftreibende
Betriebe erschweren die Pflege.
Ohne regelmäßige Beweidung
breiten sich Sträucher und Bäume
aus, wertvolle Weideflächen
gehen verloren und der Arbeitsaufwand
für die verbliebenen
Bewirtschafter steigt. Offene Almen,
Wanderwege, Weidetiere
und bewirtschaftete Hütten sind
jedoch wichtige Bestandteile des
Bergerlebnisses und damit auch
für den Tourismus von großer Bedeutung.
Besonders kritisch entwickelt
sich die Wasserversorgung. Ein
Rind benötigt an heißen Tagen
rund 70 Liter Wasser, Mutterkühe
etwa 120 Liter und Milchkühe
bis zu 180 Liter täglich. Gleichzeitig
liefern viele Quellen während
längerer Trockenphasen deutlich
weniger Wasser. Daher gewinnen
Investitionen in Speichersysteme,
Quellfassungen, Zisternen,
Speicherteiche, Pumpanlagen
und neue Leitungen zunehmend
an Bedeutung. „Wir müssen die
Betriebe bei Investitionen in eine
sichere Wasserversorgung unterstützen
und gleichzeitig bei allen
Besuchern um Rücksicht werben.
Denn nur gemeinsam können
wir unsere Almen auch in Zukunft
bewirtschaftet und lebendig
erhalten“, ist Landesrätin Langer-
Weninger überzeugt.
Für Anlagen zur Tränkewasserversorgung
sowie digitale Tierortung
werden bis zu 50 Prozent der
Kosten vom Land OÖ gefördert,
für weitere Alm-Investitionen
40 bis 60 Prozent. Seit 2020 wurden
31 neue Wasserversorgungsanlagen
auf Oberösterreichs Almen
errichtet und mit mehr als
140.000 Euro Landesmitteln unterstützt.
Landwirtschaft, Alm und Direktvermarktung
Die Freithofbergalm ist Teil des bergbäuerlichen Betriebes der Familie
Eisenführer in Maria Neustift. Der Betrieb wird von Susanne Eisenführer
im Haupterwerb geführt. 2021 wurde der Hof in dritter Generation von
Franz und Brigitte Eisenführer übergeben. Der Betrieb bewirtschaftet
24,6 Hektar Eigentumsfläche, davon 4,4 Hektar Alm und 6,8 Hektar
Wald. Zum Viehbestand zählen unter anderem 17 Milchkühe, 17 Jungrinder
und drei Ochsen. Auf der Freithofbergalm verbringen jährlich fünf
bis sechs Jungrinder die Zeit von Mai bis Oktober. Derzeit sind nur mehr
drei auf der Alm. Zwischen 2012 und 2013 wurde ein kombiniertes Almwirtschaftsgebäude
errichtet. Eine Besonderheit ist die Verbindung mit
der bäuerlichen Direktvermarktung. Milch, Eier, Speck, Hauswurst, Most,
Schnäpse, Kräutersäfte, Marmeladen, Gemüse und weitere Produkte
werden am Betrieb selbst hergestellt.