Schneegattern, Bezirk Braunau: Low-Input-Betrieb mit Hang zu Tierwohl, Nachhaltigkeit und Biodiversität
Vor fünf Jahren haben Hanneke
und Martin Feichtenschlager gemeinsam
den Kajetan-Hof übernommen,
den sie nun in dritter
Generation als Bio-Heumilchbetrieb
mit Direktvermarktung führen
mit Fokus auf die Verantwortung
für Naturschutz- sowie Biodiversität.
Hanneke ist Quereinsteigerin.
Bevor sie Bäuerin wurde, arbeitete
sie als Juristin. Inzwischen
ist sie Präsidentin der Bio-Heumilchstraße.
Martin besuchte die
HTL und ist landwirtschaftlicher
Facharbeiter. Die beiden ergänzen
sich. Während Hanneke gerne
neue Ideen für die Weiterentwicklung
des Betriebes einbringt
und mit Freude Haus und Hof dekoriert,
schaut Ehemann Martin
darauf, dass die Ideen auch realistisch
sind und das tägliche Rad
am Laufen bleibt.
Beide führen den Betrieb im
Vollerwerb und setzen stark auf
Weiterbildung. Verschiedene
Milchverarbeitungskurse, bäuerliche
Direktvermarktung, Bodenpraktiker,
Low Input und im vergangenen
Jahr der Zertifikatslehrgang
Kräuterpädagogik am LFI
OÖ. Dabei entdeckten sie insgesamt
76 verschiedene Wildkräuter
auf ihren Wiesen. Die Pflanzen
sind nicht nur Nahrungsgrundlage
− Kalbinnen und Trockensteher
werden mit dem extensiven
Belüftungsheu der Biodiversitätsflächen
gefüttert − sondern auch
Basis für viele Insekten. Ein weiteres
wichtiges Element ist der abgestufte
Wiesenbau. Das energieund
eiweißreiche Grundfutter
bekommen die Milchkühe von
den intensiver geführten Wiesen
und von den arrondierten Koppel-
und Kurzrasenweiden. Der
aktuelle Herdendurchschnitt
liegt bei ca. 7.000 Liter bei einem
Kraftfuttereinsatz von rund 800
Kilogramm pro Kuh und Jahr. Im
Schnitt erreichen ihre Kühe zwischen
acht und neun Laktationen.
„Wir sind froh, dass der Tierarzt
doch eher die Ausnahme ist
auf unserem Betrieb“, kann Martin
stolz berichten.
Die Fruchtzubereitungen für
die Joghurts sind von Anfang bis
zum Schluss in der Herstellungskette
selbstgemacht, wie zum Beispiel
der Heidelbeerröster, und
das ausschließlich mit Bio-Zutaten
aus der Region. „Es werden bei
uns in der Nähe sehr hochwertige
Lebensmittel hergestellt, da
macht es eine Freude, sie zu verarbeiten
und in einem Warenautomaten
anbieten zu dürfen“, sagt
Hanneke. „Nicht gegeneinander,
sondern miteinander“, ist ihr
Motto für die Landwirtschaft und
nur so könne es gehen, davon
sind sie und ihr Mann fest überzeugt.
Den entscheidenden Weitblick
für den Hof bekommen die
beiden im gemeinsamen Urlaub
mit ihren Söhnen. Die gemeinsame
Aus-Zeit tut jedes Mal gut und
gibt wieder neue Energie für die
täglichen Arbeiten.
- www.biohof-kajetan.at
Betriebsspiegel
- 48 Hektar Grünland
- davon 7 Hektar arrondierte Koppel- und Kurzrasenweide
- ca. 25 Prozent Eigenfläche
- 18 Hektar Wald
- 35 Milchkühe + Nachzucht