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Kalkdüngung im Obstbau

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07.01.2026 | von DI Herbert Muster

Die Kalkversorgung spielt im Obstbau eine wichtige Rolle, da sie sowohl die Bodenfruchtbarkeit als auch die Fruchtqualität beeinflusst. In der Steiermark zeigt sich auf vielen Standorten, insbesondere auf schweren Böden, häufig eine unzureichende Versorgung mit austauschbarem Calcium und ein zu niedriger pH-Wert. Dies führt nicht nur zu Problemen in der Nährstoffaufnahme, sondern auch zu Qualitätsmängeln wie geringer Fruchtfleischfestigkeit, Stippe und Fleischbräune. Eine bedarfsgerechte Kalkdüngung wirkt diesen Effekten entgegen und trägt maßgeblich zur Lagerfähigkeit und Stabilität der Früchte bei.

Bedeutung von Calcium im Boden und für die Pflanze

Calcium erfüllt sowohl im Boden als auch in der Pflanze wichtige Funktionen. Im Boden verhindert es die Versauerung, indem es den pH-Wert stabilisiert und dadurch die Verfügbarkeit wichtiger Nährstoffe verbessert. Gleichzeitig fördert es die biologische Aktivität, indem es das Milieu für Mikroorganismen optimiert. Calcium sorgt zudem für eine stabile Krümelstruktur, da es sogenannte Calciumbrücken bildet, welche die Bodenaggregate festigen. Diese Struktur verbessert die Befahrbarkeit und unterstützt das Wasserspeichervermögen.

In der Pflanze stärkt Calcium die Zellwände und erhöht damit die Gewebestabilität, was vor allem der Stippeneigung entgegenwirkt und das shelf life verbessert. Es verbessert auch den Stoff- und Gasaustausch zwischen den Zellen, was ein geringeres Risiko für Fleischbräune zur Folge hat.

Jährliche Verluste und die Notwendigkeit der Erhaltungskalkung

Unter den klimatischen Bedingungen vom steirischen Obstbaugebiet, werden pro Jahr etwa 200 - 300 kg CaO je Hektar ausgewaschen. Dies entspricht etwa 400 kg Mischkalk mit einem Gehalt von etwa 65% CaO. Aufgrund dieser kontinuierlichen Verluste besteht auf den meisten Standorten die Notwendigkeit einer regelmäßigen Erhaltungskalkung. Dabei hat sich gezeigt, dass kleinere Mengen in kürzeren Abständen vorteilhafter sind als größere Einzelgaben, idealerweise zumindest alle zwei Jahre. Grundlage für jede Kalkungsentscheidung bleibt jedoch die Bodenuntersuchung, insbesondere der gemessene pH-Wert und der Gehalt an austauschbarem Calcium.
Kalkausbringung.jpg © LK Steiermark
Kalkausbringung © LK Steiermark

Kalk-Bodendüngung

Eine Kalkung kann während des gesamten Winters erfolgen, sofern der Boden ausreichend befahrbar und aufnahmefähig ist. Die ausgebrachte Menge sollte sich nach den Ergebnissen der Bodenanalyse richten und pro Gabe etwa tausend Kilogramm je Hektar nicht überschreiten. Höhere Mengen sind lediglich beim Anlegen neuer Anlagen sinnvoll, wenn eine unzureichende Grundversorgung vorliegt.

Die Wirkungsgeschwindigkeit verschiedener Kalkdünger variiert erheblich. Sie wird als Reaktivität bezeichnet und hängt sowohl von der Art des Kalks als auch von seiner physikalischen Form ab. Naturkalke wirken besonders langsam, Mischkalke liegen im mittleren Bereich und Branntkalk zeigt die rascheste Wirkung. Bei Naturkalken wird der Gehalt häufig in CaCO₃ angegeben. Für die Umrechnung in CaO gilt die Beziehung: CaCO₃ multipliziert mit dem Faktor 0,56 ergibt den CaO Gehalt.

Granulierte Kalkdünger zeichnen sich durch eine einfache Ausbringung und eine geringere Staubbildung aus. Ihre langsamere Auflösung kann jedoch eine verzögerte Verfügbarkeit zur Folge haben. In der Nähe von Siedlungen oder Wohnhäusern sollten granulierte Düngemittel bevorzugt eingesetzt werden, um Beeinträchtigungen durch Staub zu vermeiden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Magnesiumgehalt des Bodens. Ist dieser bereits hoch, sollte ausschließlich magnesiumfreier Kalk verwendet werden.
Kalkteststreifen.jpg © LK Steiermark
Kalkteststreifen © LK Steiermark

Calciumversorgung und pH-Steuerung im Obstbau

Der pH-Wert des Bodens beeinflusst maßgeblich die Nährstoffaufnahme. Obstkulturen reagieren empfindlich auf pH-Verschiebungen, weshalb auf schweren Böden mit hoher Pufferkapazität eine kontinuierliche, gut abgestimmte Kalkstrategie besonders wichtig ist. Auch eine Überkalkung ist zu vermeiden, da sie zu Nährstoffblockaden und Chlorosen führen kann, dies gilt insbesondere für obstbaulich relevante Spurenelemente wie Eisen, Mangan und Zink. Bestimmte Obstarten wie Pfirsich und Quitte reagieren überhaupt empfindlich auf zu hohe pH-Werte. Ab einem Wert von 7,0 kann es aufgrund einer unzureichenden Eisenaufnahme zu Chlorosen und Wuchsdepressionen kommen.

Böden auf kalkigem Untergrund, die von Natur aus einen zu hohen pH-Wert haben scheiden für den Anbau empfindlicher Obstarten aus, da die verursachten Nährstoffblockaden kaum ausgeglichen werden können.

Besonderheiten der Kalkung bei Birne auf Quittenunterlage

Birnbäume benötigen wie Apfelbäume eine ausreichende Calciumversorgung, um die Haltbarkeit und Festigkeit der Früchte sicherzustellen. Auch hier sollte die Düngung auf Basis der Bodenuntersuchung erfolgen. Besondere Beachtung erfordern Birnen auf Quittenunterlage, was derzeit in der erwerbsmäßigen Birnenproduktion Standard ist. Wachstumsprobleme treten bei ihnen meist nicht aufgrund mangelnder Calciumverfügbarkeit auf, sondern infolge zu hoher pH-Werte. Daher sollten stark wirkende Kalkformen wie Branntkalk, die den pH-Wert rasch anheben, bei Anlagen auf Quittenunterlage unbedingt vermieden werden. Für die Bodendüngung eignen sich bei Birne kohlensaure Kalke mit langsamer Wirkung und gegebenenfalls Gips, da Gips Calcium liefert, ohne den pH-Wert zu erhöhen
Eine differenzierte und standortangepasste Kalkdüngung bildet einen wesentlichen Baustein für den erwerbsmäßigen Obstbau. Sie stabilisiert den pH-Wert, verbessert die Bodenstruktur, sichert eine ausreichende Nährstoffaufnahme und erhöht die Lagerfähigkeit der Früchte. Die besonderen Standortbedingungen der Steiermark erfordern aufgrund der regelmäßigen Calciumverluste eine konsequente Erhaltungskalkung in kurzen Intervallen. Die Wahl des geeigneten Kalkdüngers, die richtige Menge, die Berücksichtigung der Bodenbedingungen und die spezifischen Bedürfnisse einzelner Obstkulturen, sind entscheidend für eine erfolgreiche Produktion.
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