LebensRealität Bauernhof
Geht’s den Menschen gut, geht’s dem Hof gut
Eine aktuelle Studie zeigt eine hohe psychische Belastung von Land- und Forstwirtinnen auf. In Krisenzeiten
steht die Beratungsstelle Lebensqualität Bauernhof als wichtige Anlaufstelle zur Verfügung.
Die Arbeit in der Land- und
Forstwirtschaft kann viel Freude
bereiten: die enge Verbundenheit
mit der Natur, die Arbeit
mit Tieren und das Erleben
von Wachstum und Entwicklung
werden von vielen als
sinnstiftend empfunden. Andererseits
bringt diese Tätigkeit
jedoch auch zahlreiche Belastungen
mit sich.
Eine 2025 von L & R Sozialforschung
Wien durchgeführte
Studie zur sozialen und psychischen
Belastungen hat gezeigt,
dass basierend auf Selbsteinschätzung
zwei Drittel der
Land- und Forstwirt:innen Belastungen
insgesamt als mittel,
rund ein Drittel als hoch einschätzen,
während nur rund
fünf Prozent geringe oder keine
Belastung erleben. Sieht
man sich psychische Erkrankungen
an, geben 46 Prozent
der Land- und Forstwirte an,
im letzten Jahr von mindestens
einer psychischen Erkrankung
oder Beschwerde betroffen gewesen
zu sein. Dieser Anteil ist
fast doppelt so hoch wie in der
österreichischen Gesamtbevölkerung
(23 Prozent).
Am stärksten belastend wird
die Bürokratie empfunden.
Über die Hälfte sieht diese als
sehr und weitere 30 Prozent als
eher belastend. Externe Faktoren
wie die Preisentwicklung
und Ernteschäden durch Wetterextreme
werden von knapp
80 Prozent als sehr oder eher
belastend eingeschätzt. Etwas
weniger als zwei Drittel erleben
die ständige Bereitschaft, fehlende
oder kurze Erholungszeiten
sowie den gesellschaftlichen
Faktor des öffentlichen
Ansehens als eine (hohe) Belastung.
Die Arbeitsumgebung
und soziale Aspekte stellen
für die meisten Personen eine
mittlere Belastung dar.
Die von Lebensqualität Bauernhof
mitgeführte Statistik
zeigt aber, dass genau die sozialen
Aspekte wie Generationenkonflikte,
Hofübergabe,
Hofübernahme sowie Partnerschaftsthemen
zu den häufigsten
Beratungsanlässen zählen.
Unterstützung in krisenhaften Zeiten
Für Menschen in konfliktreichen
Situationen und psychischen
Krisen bietet die Landwirtschaftskammer
mit der
Beratungsstelle Lebensqualität
Bauernhof gezielte Unterstützung.
„Ich weiß gar nicht, wo
ich anfangen soll. Es ist gerade
so schwer!“ so oder ähnlich
beginnen viele Anrufe
bei Lebensqualität Bauernhof.
Manchmal bringt das Leben Situationen,
in denen Betroffene
keinen Ausweg mehr sehen. In
solchen Situationen ist es oft
schwer, seinen Blick auf eine
Lösungsmöglichkeit zu richten,
weil das Gedankenkreisen
wie ein dichter Nebel wirkt,
der die Sicht auf den nächsten
Schritt versperrt. Externe Beratung
kann hier entlastend
wirken. Personen können hier
Unterstützung bieten, weil sie
sich außerhalb dieser „Nebelzone“
befinden. Der Blick von
außen und Gespräche helfen,
die Probleme zu strukturieren,
sich einen Überblick zu verschaffen
und den nächstmöglichen
kleinen Schritt zu gehen,
damit sich der Nebel für die Betroffenen
allmählich lichtet.
Nicht immer geht es dabei um
sofortige Lösungen – oft steht
auch das Zuhören und das gemeinsame
Aushalten schwieriger
Situationen im Vordergrund.
Lebensqualität Bauernhof
ist auch gut vernetzt und
kann gezielt auf weitere Unterstützung
im landwirtschaftlichen
Bereich und auf andere
Beratungsstellen hinweisen
Bündelung der Kräfte durch die Initiative „Happy am Hof“
Um alle Kräfte im landwirtschaftlichen
Bereich zu bündeln,
wurde „Happy am Hof“
gegründet, eine Initiative des
Maschinenrings, der Sozialversicherungsanstalt
der Selbstständigen
(SVS) sowie Lebensqualität
Bauernhof. Ziel ist es,
jenen Multiplikatoren wie Betriebshelfern
oder Personen,
die mit Landwirten in Krisensituationen
in Kontakt kommen,
eine Hilfestellung zu geben,
damit sie Betroffene auf
das bestehende Beratungsangebot
hinweisen können. Zur
Sensibilisierung für psychische
Gesundheit steht zudem ein
Vortragskatalog für Maschinenringe
und landwirtschaftliche
Organisationen zur Verfügung.
- Weitere Informationen unter: www.happyamhof.at
Präventive Arbeit als Schlüssel zur mentalen Gesundheit
Ein weiterer Schwerpunkt der
Beratungsstelle ist präventive
Arbeit in Form von Medienberichten,
Kursen und Seminaren
in landwirtschaftlichen
Schulen, bei Vorträgen
in Meisterkursen sowie in den
Hofübergeber- und Hofübernehmerseminaren
des Ländlichen
Fortbildungsinstitutes
(LFI). Darüber hinaus bieten
die Beraterinnen gemeinsam
mit dem LFI ein vielfältiges Bildungsprogramm
zum Thema
Persönlichkeitsentwicklung
und Lebensqualität am Bauernhof
an: Darunter Webinare
über Sucht und Gewalt, Workshops
für Bäuerinnen und Bauern,
zu Trauerarbeit, systemischen
Aufstellungen oder biographischem
Schreiben. Diese
Bildungsangebote fördern
nicht nur Wissen und Reflexion,
sondern auch Vernetzung
– eine zentrale Ressource im
bäuerlichen Umfeld.
Beratungsstelle Lebensqualität Bauernhof
Montag bis Freitag 8.30
bis 12 Uhr
- T 050 6902-1800
- lebensqualitaet@lk-ooe.at
- kostenlos − vertraulich − anonym