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Erntestart steirische Äpfel: Obstbauern bangen um ihre Ernte

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13.08.2026 | von LK Steiermark

Wetterextreme durch menschengemachten Klimawandel lässt steirische Apfelernte nur klein ausfallen. Die andere Seite der Medaille: die kleineren Früchte sind besonders aromatisch und reich an Inhaltsstoffen. Positiv ist auch, dass die heimischen Obstbauern die Inlandsversorgung sichern können. Doch generell kämpft die Branche mit großen Zukunftssorgen - offensiv agiert die Branche bei der Klimawandelanpassung.

PK Apfelernte 2026 © LK Steiermark/Christof Hütter
v.l.: Agrarlandesrätin Simone Schmiedtabuer, Präsident Andreas Steinegger und Obstbau-Obmann Manfred Kohlfürst. © LK Steiermark/Christof Hütter
Rekordhitze und Extremtrockenheit wirken sich massiv auf den heimischen Obstbau aus. "Jeder Tag, an dem der Regen ausbleibt und die Hitze anhält, verringert sich die steirische Apfelernte", betont Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger. 

Das heurige Apfeljahr ist abermals für die durch den Klimawandel krisengeschüttelten heimischen Obstbauern außergewöhnlich herausfordernd: Zwar konnten die Spätfröste Ende April von zahlreichen Betrieben vorwiegend durch Frostberegnung abgewehrt werden, doch das Extremwetter im Juli und August mit anhaltenden Extremtemperaturen von über 35 Grad Celsius und beispielloser Niederschlagsarmut von nur 38 Liter/m² (normal: 230 l/m²) führt zu großen Ernteverlusten. Während bereits im Juli die Äpfel auf seichten-sandigen Böden im Wachstum zurückblieben, kommt es zudem seit August auf diesen Standorten vereinzelt sogar zum Absterben der Bäume sowie zu Hitzeschäden an den Früchten (Sonnenbrand). 

"Generell werden die Früchte heuer kleiner sein - die andere Seite der Medaille ist, dass die Äpfel besonders aromatisch und durch die vielen Sonnenstunden reich an Inhaltsstoffen sind", betont Steinegger. Und er gibt Entwarnung: "Mit der erwarteten Erntemenge von 90.000 Tonnen können wir die Versorgung in Österreich sichern." Im Vergleich zum Vorjahr sind das um 35% weniger, 2025 lag die Ernte bei 138.000 Tonnen.

Obstbauern an Existenzgrenze

Die Obstbauern durchleben besonders harte Zeiten - sie mussten in den vergangenen Jahren viele schwere Krisen bewältigen: In den vergangenen zehn Jahren konnten sie bedingt durch Extremwetter wie Spätfröste, Trockenheit und Dürreperioden nur vier Normalernten einbringen. Die heurige Dürre jedoch stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten, dazu kommen erhebliche Steigerungen bei den Produktionskosten. Steinegger bringt es auf den Punkt: "Diese Dürrekatastrophe bringt viele Obstbauern an ihr Limit und an ihre Existenzgrenzen."

Offensiv bei Klimawandelanpassung

"Praktisch jeder Obstbaubetrieb hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Wasserbeschaffung zum Schutz ihrer Obstkulturen vor Frost und Trockenheit beschäftigt. Wasser wird zunehmend zur Grundvoraussetzung der künftigen Produktion, gleichzeitig ist der Bau von Speicherbecken sehr aufwendig und kostenintensiv", sagt der Kammerpräsident. 

Doch durch die klimawandelbedingten Ernteausfälle fehlt den Betrieben weitgehend das Kapital für Zukunftsinvestitionen wie Wasserspeicherbecken. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Wasserspeicherung in Speicherbecken doppelt wirksam ist, weil die Frostberegnung die Blüten vor den Spätfrösten schützt und zudem ein Bewässern der Apfelkulturen bei Trockenheit ermöglicht. Derart geschützte Apfelkulturen leiden weniger bis kaum. "Rund 30% der steirischen Apfelkulturen können aktuell frostberegnet und bewässert werden. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur sicheren Versorgung", lobt Steinegger das offensive Agieren der Branche bei der Klimawandelanpassung.
PK Apfelernte 2026 © LK Steiermark/Christof Hütter
Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer richtet eindringlichen Apell an Bevölkerung heimische Äpfel zu essen. © LK Steiermark/Christof Hütter

Bewässerungsförderung wird fortgesetzt

"Der Klimawandel stellt unseren Obstbau vor immer größere Herausforderungen. Hitze, Dürre und Spätfrost sind längst keine Ausnahme mehr, sondern stehen mittlerweile regelmäßig an - auch wenn dieses Jahr noch nie gekannte Ausmaße bei der Dürre annimmt. Deshalb müssen wir neben konsequentem Klimaschutz vor allem auch bei der Klimawandelanpassung ansetzen. Mit der Bewässerungsförderung haben wir 2024 einen wichtigen Schritt gesetzt: Wir fördern seither 65% der Kosten für Bewässerungsprojekte - das ist die höchste Förderung dieser Art in ganz Österreich. Die Investition hilft den Betrieben nicht nur gegen Dürre und Hitze, sondern auch beim Schutz vor Spätfrost. Die Wirkung zeigt sich bereits deutlich: Knapp 200 Betriebe haben seither insgesamt über 8 Mio. Euro in neue Beregnungssysteme investiert, mittlerweile kann rund ein Drittel der steirischen Apfelanbauflächen bewässert werden", so Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer.

"In diesem schwierigen Erntejahr sehen wir, dass jene Betriebe, die bereits über Bewässerungsmöglichkeiten verfügen, deutlich besser durch die extreme Hitze und Trockenheit kommen. Deshalb werden wir auch im kommenden Jahr an der 65-Prozent-Förderung festhalten und in der Beratung weiterhin einen klaren Schwerpunkt auf die Bewässerung legen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen den steirischen Obstbau noch widerstandsfähiger machen und bei der Bewässerung europäische Vorreiter werden. Dafür braucht es aber auch eine bessere Verfügbarkeit und Speicherung von Wasser - und genau daran müssen wir gemeinsam auf allen Ebenen weiterarbeiten", betont Schmiedtbauer.

Kohlfürst: Produktion muss rentabel sein

"Stark gestiegene Produktionskosten, die im EU-Vergleich höchsten Lohn- und Lohnnebenkosten für die Arbeitskräfte und ein eingeschränktes Pflanzenschutzangebot gegen eingeschleppte invasive Schädlinge belasten neben dem beispiellosen Extremwetter die steirischen Obstbauern sehr und schmälern ihre Erlöse", unterstreicht Manfred Kohlfürst, Obmann der steirischen und österreichischen Obstbauern. Und weiter: "Diese wirtschaftlichen Knackpunkte müssen dringend gelöst werden, damit die heimischen Obstbauern rentabel produzieren können."

Besorgt zeigt sich Kohlfürst auch über den anhaltenden Strukturwandel und die vielfach ungeklärte Hofnachfolge in vielen Obstbaubetrieben. Kohlfürst betont ferner, dass die heimischen Obstbauern prioritär für den Heimmarkt produzieren, sie erwarten sich aber umgekehrt, dass auch bei Vollernten der heimische Einzelhandel heimisches Obst zu fairen Bedingungen abnimmt.

"Damit die Obstbaubetriebe wettbewerbsfähig bleiben, sind gezielte Investitionsanreize und leistbare Versicherungslösungen unverzichtbar", sagt der Obstbauchef. Konkret nennt er Investitionen in Schutzsysteme wie Wasserspeicherbecken, neue Sorten oder Hagelschutznetze. Gleichzeitig sind verbesserte Versicherungslösungen (55% haben wir jetzt schon - eigentlich brauchen wir noch mehr, da diese Zusatzkosten nicht mehr leistbar sind) Prämienzuschuss notwendig. Kohlfürst begründet: "Die heurige Extremdürre zeigt, dass Risikoversicherung und Kulturschutz erforderlich sind."
PK Apfelernte 2026 © LK Steiermark/Christof Hütter
Familie Singer schützt Ernte durch Frostberegnung und Bewässerung. © LK Steiermark/Christof Hütter

Speicherbecken mit Frostberegnung und Bewässerung sichert die Ernte

Familie Singer produziert Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Pfirsiche und Zwetschken. Zudem betreibt sie einen Hofladen und veredelt einen Teil ihres Frischobstes zu Saftspezialtäten, Apfelessig, Edelbränden sowie Mosten, die auch in der Gastronomie und anderen Spezialitätenläden angeboten werden. Bereits 2018 und 2021 wurden zwei Wasserspeicherbecken zur Frostberegnung errichtet.

2025 wurde zudem der seit 50 Jahren bestehende Speicherteich generalsaniert und um die Bewässerungsfunktion erweitert. Alle drei Speicherbecken sind somit für die Frostberegnung und für die Tröpfchen-Bewässerung in Trockenperioden ausgelegt. Josef Singer: "Die Speicherbecken mit Frostberegnung und Bewässerung sichern unsere Ernte. Die hohen Kosten für die Sanierung unseres alten Speicherbeckens konnten wir nur durch die gute Bewässerungsförderung des Landes stemmen." Und weiter: "Wir arbeiten sehr wassersparend und nachhaltig. Das gesammelte Wasser wird im Kreislauf geführt. Vor allem bei der Frostberegnung wird in kurzer Zeit viel Wasser benötigt, dass dann wieder ins Speicherbecken zurückgeführt wird."

Ausgelegt ist das Beregnungs- und Bewässerungssystem für eine Fläche von elf Hektar. Weitere 1,8 Hektar vom Hof entferntere Apfelkulturen werden mittels Tröpfchenbewässerung von der Ortswasserleitung in der Nacht mit Wasser versorgt. Singer: "Diese Beregnung steuere ich mit dem Handy für etwa eine Stunde in der Nacht. Und zwar deshalb, weil in der Nacht kaum Wasser von der Bevölkerung benötigt wird."

Blaues Auge bei Pfirsichen, Marillen und Kirschen - Holunder massiv hitzegeschädigt

Mit einem blauen Auge sind die abgeernteten Kulturen wie Pfirsiche, Marillen und Kirschen davongekommen, leider auch nicht ohne Ernteeinbußen. Kritisch ist die Lage aktuell bei Holunder, der zuletzt wieder im Aufwind war und Flächenzuwächse verzeichnete: Durch Hitze und Trockenheit verdorren auf den Bäumen die reifen Holunderbeeren, teils vertrocknen sogar die Holunderbäume. Große Sorge bereitet jetzt der Umstand, dass durch die anhaltende Dürre zunehmend auch Bäume absterben. Dieser Schaden ist für betroffene Betriebe besonders nachhaltig.

Zahlen und Fakten

Knapp 900 Apfelproduzenten kultivieren auf 4.600 Hektar steirische Äpfel und sichern damit in der Landwirtschaft sowie im vor- und nachgelagerten Umfeld mehr als 3.000 Arbeitsplätze in der Grünen Mark. Der Transportweg eines steirischen Apfels bis ins Geschäft beträgt 150 Kilometer, während weitgereiste Äpfel aus Neuseeland 19.000 Kilometer bis nach Österreich zurücklegen. Die Steiermark ist der Obstgarten Österreichs: 76% der österreichischen Apfelanbaufläche liegen in der Steiermark. Die Bioapfelanbaufläche beträgt 23%. Die Gesamtapfelanbaufläche ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 3% zurückgegangen, von 4.750 Hektar auf 4.600 Hektar.
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